Und das wars auch schon mit meinem Leben als Robinson
Crusoe. Unfassbar wie schnell die Zeit rennt und wie sehr einem ein Ort ans
Herz wächst, so dass ich jetzt mit Insel-Heimweh in Phnom Penh sitze und sooo
gern einfach wieder zurückfahren würde. Vielleicht besuche ich die Insel in
zwei Wochen noch einmal…mal schaun…Das traurige ist, dass es selbst an den
schönsten Orten der Welt immer die
Menschen sind, die dein Zuhause-auf-Zeit so besonders machen. Doch selbst wenn
ich zurückfahre, die Cocos Familie wird nicht mehr dieselbe sein, da die
meisten davon ebenfalls weiterreisen und die Chancen sind klein, dass wir uns
noch einmal wiedersehen. Würde es mit anderen so viel Spaß machen, eine Bar als
Wohnzimmer zu haben? Vielleicht, aber es wäre nicht dasselbe…
So, zu den Ereignissen der letzten Wochen. Eindeutiges
Highlight: Ich habe meinen Open Water
Dive Kurs gemacht! Ich habe jetzt offiziell den Schein, um überall auf der Welt
Tauchausrüstung zu leihen und damit ins Wasser zu springen und mir die Welt der
Fische anzuschauen…ist das nicht toll? :D Nach meinen ersten zwei Tauchgängen
war ich allerdings erstmal frustriert. Meine Haut hat mit einer netten
allergischen Reaktion gegen das Salzwasser protestiert, die Flossen vertrugen
sich nicht mit den vielen Sandflohbissen an meinen Füßen und ich lag die
nächsten zwei Tage mit Fieber, Halsschmerzen und Selbstmitleid auf der Dachterrasse…krank
sein im Paradies macht keinen Spaß, noch weniger als Zuhause. Ich hab lange mit
mir gerungen, ob ich den Kurs wirklich beenden möchte. Aber letzten Endes hat
der Gedanke an die bereits gezahlte Kursgebühr und dass ich für die Strapazen doch wenigstens
auch den Schein in der Hand halten möchte, gesiegt – und es hat sich so
gelohnt! Für den nächsten Tauchgang waren 4 Tauchgänge angesetzt, alle an
verschiedenen Orten, von denen einer schöner als der andere war. Es ist
wirklich eine völlig andere Welt da unten. Es ist als ob Gott, Allah, Zufall
oder wer auch immer mit seiner Fantasie durchgegangen ist und sehen wollte,
wieviele Formen und Farbmuster er sich ausdenken kann. Leuchtend neon blau, gepunktet, gestreift, aufrecht schwimmend, rosa Nemos in rosa Anemonen...Und das tolle ist, dass
diese Welt (fast) völlig unabhängig von uns Landgängern existiert. Er ist fast als
ob die großen Baracudas uns Tauchern einen schrägen Seitenblick zu werfen „What
are you looking at? I existed long before your kind…“
Der atemberaubendste Moment war, als mein Tauchbuddy es
geschafft hatte, in einen Seeigel zu fassen und wir eine Pause einlegen
mussten, in der unser Tauchlehrer versuchte, die Stachel wieder aus seinem
Finger zu ziehen. In wenigen Minuten waren wir von hunderten silbernen Fische
umgeben, die uns neugierig umkreisten. Die anderen beiden waren mit den
Stacheln beschäftigt, so dass ich ein Stück nach oben schwamm und mitten im
Fischschwarm war, bis sie nach ein paar Minuten das Interesse an uns verloren
und weiterzogen. Tauchen ist fantastisch, man sieht so schöne Dinge. Allein das
Glitzern der Sonne in unseren Luftblubberblasen, wenn wir beim Aufsteigen nur
noch wenige Meter von der Oberfläche entfernt sind…ich hoffe ich habe in
Thailand noch einmal die Gelegenheit dazu.
Der Abschied von der Insel fiel mir unheimlich schwer. Ich
bekam von den ganzen erfahrenen Langzeit-Backpackern amüsant-mitleidige Blicke
zugeworfen, als ich am Pier meine zwei Chefs umarmte und
die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Es war so ein schöner sorgenfrei
entspannter Monat, ein Ort an dem man einfach glücklich sein muss. Und sollte
es mich wieder dahin verschlagen, in einigen Jahren, wird niemand meiner
Freunde mehr dort sein, sondern nur ein großes Luxusresort für Stinkreiche und
ein verdammter Flughafen. Kann man sich das vorstellen, ein Flughafen dort wo
es jetzt nicht einmal Straßen gibt, nur Trampelpfade durch den Tropenwald.
Reich und geschäftstüchtig ist ja schön und gut, aber um die Welt zu ziehen und jeden
schönen Ort zu verhunzen geht ein bisschen weit…
Jetzt sitze ich in Phnom Penh in einem Coffee House und fahr
gleich zum Flughafen, um nach Laos zu fliegen. Der nächste Teil der Reise geht los!
Gestern war ich mit meinen ehemaligen Mitbewohnern noch was trinken und den
neusten Klatsch auszutauschen. Hab sie vermisst, vor allem meine Französin.
Haben uns für diesen Sommer Barcelona vorgenommen, hoffentlich klappt es. Heute
war ich dann noch einmal in meiner Schule und hab für eine Stunde den
Englischunterricht von Teacher Sokha auf den Kopf gestellt. Wobei der Versuch
Englischspiele zu spielen schnell scheiterte, weil alle aufsprangen und
gedrückt werden wollten…es war so süß! Es war gut alle nochmal wiederzusehen, lässt
mich irgendwie beruhigter weiterreisen. Die Kinder sahen, dass ich nicht für
immer gehe, sondern sie jederzeit wieder besuchen könnte, und ich weiß, dass
ich in Phnom Penh immer Menschen haben werde, die ich besuchen kann und die
froh sind mich wiederzusehen.
Nun gut, auf zum Flughafen…mal sehen wie spannend die
Visa-Beantragung von einem korrupten Land ins nächste wird. ;)
Bon voyage! ;o)
ReplyDeleteMann trifft sich immer zweimal im Leben ;-) Gute Reise und angenehmen Flug.
ReplyDeleteEine Bar als Wohnzimmer zu haben, ist der Einstieg in die Literatur. Ein mir näher Bekannter verlegte nach der Wende seinen Hauptwohnsitz, für mehrere Monate, in eine Kneipe. Dort, sozusagen von zu Hause aus, widmete er sich auch seiner Erwerbstätigkeit. Sie bestand aus Schnellschach um ein Preisgeld, oder, wenn sich kein Irrer fand, der sich darauf einließ, dem gepflegten Pianospiel. Nebenbei absolvierte er ein Aufbaustudium in Frauenpsychologie und -kunde. Geschlafen wurde in dem Hinterzimmer der gastlichen Stätte.
ReplyDeleteSpäter, im Rahmen der Globalisierung und der Völkerverständigung, wählte er eine Dönerbude mit Fernseher zu seinem Lebensmittelpunkt. Sie diente als multikulturelle Schaltzentrale im Stadtteil, war aber zum Übernachten denkbar ungeeignet. Hier half ihm sein erfolgreich absolviertes Aufbaustudium weiter. Er gilt heute noch als Bahnbrecher für alle Couchsurfer die es mangels Reiselust nicht weiter als bis zur Stadtgrenze schaffen.
Bei solchen Stichpunkten in der Curriculum Vitae kommt man nicht umhin, sich als Schriftsteller zu verdingen. Sein letztes Buch wurde folgerichtig auch in China verlegt. So übersetzt, erkennt er es zwar nicht wieder, aber er hofft, daß dieser Umstand einmal hilfreich sein könnte, wenn er später vielleicht einmal in einen Asia-Imbiss einziehen müßte.
Guten Flug! Und wirf das Tütchen mit dem Puderzucker besser weg, bevor du eincheckst. Die da unten verstehen keinen Spaß.
Ich sehe, ich sehe...ich habe den ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Wenn das kein vielversprechendes Leben wird. Meine Bücher werden aber ins Khmer übersetzt, erlesenerer Leserkreis und die Schriftzeichen sehen hübscher aus...
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