Das „Ich berichte nach Weihnachten…“ hat sich doch etwas
hingezogen, aber es ist soviel passiert in den letzten Wochen dass ich leider
nicht zum Schreiben kam. Dafür gibt es jetzt aber umso mehr zu erzählen, einige
Planänderung der Mission Kambodscha inklusive.
Zunächst einmal, Weihnachten…trotz der Bemühungen der
Supermärkte, Einkaufszentren und Straßenkinder, die plötzlich Weihnachtsmützen
statt Armbänder verkauften, kam nicht so wirklich Weihnachtsstimmung auf. Ich
habe eher alle Verkäufer bemitleidet, dass sie bei der Hitze den ganzen Tag so
warme Mützen tragen müssen. Wir haben trotzdem versucht das Beste daraus zu
machen. In der WG wurden kleine Geschenke getauscht, die Kinder durften schon
Wochen vorher Lieder singen (Jingle Bells ist der Renner hier…),
Weihnachtsgeschichten lesen und bunte Tannenbäume malen. Am Wochenende vor
Heiligabend habe ich auf die Einladung meiner Mentorin ihre Kirchgemeinde besucht
und mit ihnen einen Weihnachtsgottesdienst gefeiert. Es war unglaublich süß,
was sie auf die Beine gestellt haben. Vorm Gemeindesaal stand eine
Weihnachtsbaumattrappe, die mit Schnee-Seifenschaum aus einem Fenster im 1.
Stock besprüht wurde. Auch hier war ich als „Westerner“ ein Exot, so dass ich
nun auf unendlich vielen Familienfotos vorm Weihnachtsbaum zu sehen bin. Eine
ähnliche Situation hatte ich schon mal auf meinem Ausflug in den Zoo, als
Simone und ich plötzlich ein interessanteres Fotoobjekt wurden als die Tiere
selbst. Der eigentliche Gottesdienst bestand zum Großteil aus Tanz- und
Gesangsvorführungen, alle in schönen aufwendigen Kleidern. Was mir dabei (und
auch schon eher bei TV-Shows) auffiel war, dass viel mehr Wert darauf gelegt
wird, die Lieder mit eleganten Gesten und Posen zu untermalen, anstatt zu
singen. Das Meiste wurde deshalb vom Band abgespielt, während die Sänger nur
die Lippen bewegten. Am Ende wurde lautstark „Happy Birthday, Jesus!“ gesungen,
Silberkonfetti und Luftballons rieselten auf die Bühne herab und alles brach in
eine tanzende, singende Partystimmung aus. Ein ereignisreicher Morgen!
Eine Woche später (am 29.) feierten wir mit unseren Lehrern
und allen Kindern der Asia’s Hope Waisenhäuser Weihnachten. Sie fand auf einem
neu erworbenen Gelände statt, auf dem alle 5 Waisenhäuser, eine Schule und eine
Kirche Platz finden sollen. Im Moment ist alles jedoch nur kahles Land, so dass
das Festzelt und eine kleinen Bühne auf freiem Feld stand. Ich kann mir jedoch
vorstellen, dass dort mal ein schönes kleines Minidorf für die Kinder errichtet
wird. Die Feier ähnelte sehr dem
Gottesdienst, die Kinder hatten 2 Stunden Tänze, Gesang und ein kleines
Krippenspiel vorbereitet. Eine Gruppe Sponsoren aus Florida besuchte die
Weihnachtsfeier, was die Kleinen schon die ganze Woche in Aufregung versetzt
hatte. Einer der Sponsoren war ein Pastor, welcher scheinbar das Projekt mit
auf die Beine gestellt hat. Er hielt eine sehr lange Predigt, die mich (trotz
dass ich mich bereits daran gewöhnt hatte im buddhistischen Kambodscha an einer
christlichen Schule zu arbeiten) wieder stark an meinem Verständnis für
christliche Missionare zweifeln ließ. So gut sein Wille auch ist und so sehr er
diesen Kindern auch hilft, ihnen während der Predigt einen großen aufgeblasenen
Santa Claus zu geben (die Begeisterung war groß) und dann zu meinen, er wäre
tot, Santa ist auf einer Stufe mit Spiderman, nur Jesus ist der wahre…naja, die
Geister mögen sich dran scheiden, letztenendes sind beide „Superhero“ Ideen von
westlichen Weltverbesserern eingeschleppt wurden und es würde nur auf den
Streit hinauslaufen, wer von beiden der bessere ist, der mit der roten Mütze
oder der am Kreuz hängt. Im Großen und Ganzen war es aber ein wunderschöner
Tag, den Kindern hat es sehr viel Spaß gemacht und am Ende gab es Geschenke für
alle. Hat sich doch gelohnt :)
Silvester war ebenfalls sehr lustig, wir schenkten unseren
Köchinnen einen freien Abend und kochten einmal selber: Pasta mit Tomatensoße
und Hühnchen-Tortillas und zum Nachtisch französischer Käse mit Baguette und
Cocktails. Was vielleicht nicht so spannend klingt für ein Festessen, hat uns
hier nach Monaten/Wochen Reis essen in große Aufregung versetzt. :D Wir haben
einige kambodschanische Freunde und Kollegen eingeladen, die zum ersten Mal die
europäische Version von Pasta gegessen haben…und zum ersten Mal Cocktails
tranken. Wenn ich gewusst hätte, dass Kambodschaner zwar Angkor-Bier bechern
können bis zum Umfallen, aber bei Wodka-Orangensaft schneller betrunken sind,
als das Glas alle ist, hätte ich ihnen alkoholfreie gegeben…;) Nach dem Essen
ging es zur Kneipenmeile Riverside, die allerdings so überfüllt mit Menschen
war, das wir schnell wieder den Rückzug angetreten sind. Das
berühmt-berüchtigte Feuerwerk gab es eh nicht, da Kambodscha offiziell immer
noch um den König trauert. So saßen wir Mitternacht in einem Park, umgeben von
Kambodschanern, die zwar alle in Partylaune waren, aber sich nicht viel aus
Neujahrsfeiern machten. Wir hatten also drei verschiedene Countdowns (zum
Gelächter aller um uns herum), da alle unsere Uhren falsch gingen und ein
kleines Böller-Feuerwerk. Nicht nur die Straßenkinder waren begeistert, selbst
die Männer wurden wieder zu kleinen Kindern, als sie die kleinen blauen
Strahlen in die Luft schießen sahen…;)
Am nächsten Tag, nach 2 Stunden Schlaf, fuhr ich durch das
dämmernde noch Rausch ausschlafende Phnom Penh zur Bus Station, um den Bus Richtung
Strand, Sonne, Mangrovendschungel zu nehmen. Ich hatte mir für die erste
Januarwoche frei genommen und obwohl ich alleine nach Sihanoukville gefahren
bin war es einer der schönsten Urlaube hier sofern…vielleicht auch gerade weil
ich allein war und zum ersten Mal seit 3 Monaten keine Kompromisse mit 5-12
Mitbewohnern schließen musste. Sihanoukville war wunderschön, aber auch so
anders als der Rest Kambodschas. Hier trafen irgendwann alle Backpacker ein und
die meisten blieben bis Datum unbestimmt. Witziger weise traf ich hier so viele
wieder, denen ich in Oktober in Siem Reap begegnet bin…alle hatten riesige
Pläne was sie alle in den nächsten Monaten alles von Südostasien sehen wollten
und alle sind in Sihanoukville stecken geblieben und haben es (so kommt es mir
zumindest vor) noch nicht einmal mitbekommen, wie die Zeit verflogen ist. Mir
war die ewige Feierstimmung am 1.Januar in meiner eigenen Entkaterstimmung
allerdings etwas zu viel, so dass ich mit einem chinesischen Journalisten, mit
dem ich mich über Couchsurfing in Sihanoukville verabredet hatte, die erste
Fähre nach Koh Rong genommen habe. Koh Rong war DAS Tropenparadies! Eine 10 km
lange Insel, 2 Stunden vom Festland entfernt und abgesehen von weißen Stränden,
türkisblauem Wasser voller Korallenriffe und tiefer undurchdringbarer Dschungel
gibt es da nichts. Keine Straßen, kein „Lady, TukTuk“, kein „Lady, want
massage? Pedicure? Ohhh
sister, look at your nails? 1 Dollar, I make them for youuu…“ und keine Spur
von Stress. Die Bambusbungalows am Strand waren leider alle ausgebucht
(trotzdem war der Strand kein bisschen überlaufen), so dass wir ein Zimmer im
Guesthouse im naheliegenden Dorf (10 Häuser, viele Hühner, Hunde und Kinder) genommen
haben. Was ein Abenteuer für sich war, da wir nachts einen Dorfbewohner bitten
mussten uns mit der Taschenlampe zum Haus zu bringen, um nicht von den Hunden
aufgehalten zu werden. Und frühmorgens, pünktlich halb 6, wurden die Schweine
geschlachtet. Der Schweinestall war gleich neben dem Guesthouse….habt ihr je
ein Schwein schreien hören, wenn es merkt was ihm bevorsteht?! Die Nacht war
beendet…
Die letzten Tage meines Urlaubs habe ich in Sihanoukville verbracht und
konnte nun nach 2-3 Tagen Entspannung auf der Insel die lebendige Backpacker-Szene
viel besser genießen. Mein Hostel war super, ein riesiger knuffiger Hund und
ein Led Zeppelin fanatischer britischer Barkeeper, eine Tai Chi Lehrerin mit
der ich mir abends immer warme Brownies mit Vanilleeis geteilt habe und deren
Kurs ich besucht habe, ich habe im Nationalpark Delfine und Seeadler gesehen, sowie viele viele nette Menschen getroffen, mit denen ich entspannte
Tage und lustige Nächte in den Bars verbracht habe…
Und hier kommt die Planänderung in meiner Mission
Kambodscha: Auf der Insel gab es eine kleine tolle Bar, in der sich abends alle
getroffen haben. Gutes Essen, gute Cocktails, gemütliche Korbstühle am Strand…und
nettes Personal, zum Großteil western, mit dem ich mich gut verstanden habe.
Eine kambodschanische Kellnerin erzählte mir, dass sie in ihrer Mittagspause
die Kinder in Englisch unterrichtet. Denn es gibt zwar eine Schule, aber nur einen
Lehrer, der kein Wort Englisch spricht (ich hab es versucht) und die einzelnen
Klassen haben nur sehr unregelmäßig Unterricht. Als sie hörte dass ich
Englischlehrer bin, bat sie mich doch gleich dazubleiben und ihr zu helfen…Am
nächsten Tag hatte ich ein langes Gespräch mit dem Chef des Ganzen, der mir
seine Email-Adresse gab und meinte er suche immer nach westlichen Mitarbeitern,
die ein paar Stunden pro Tag als Kellner aushelfen und dafür freie Verpflegung
und Unterkunft bekommen…ich glaube man kann sich meine Planänderung schon
denken. Nach einigem Überlegen kam ich zu dem Schluss, dass ich es bereuen
würde, wenn ich diese Chance nicht ergreife. Anfang Februar fahre ich deshalb
wieder auf die Insel. Wenn alles gut geht, für einen Monat…J Danach geht es nahtlos
ins Backpackerleben über und ich reise bis nach Laos, wo ich Gunther und Michael
treffe und 2-3 Wochen lang Laos, Kambodscha und Thailand erkunde. Und danach hat
hoffentlich der Frühling in Deutschland begonnen, mit Sonnenschein und warmen
Temperaturen, so dass ich nicht einen kompletten Kälteschock erleide, wenn ich
mich nach 6 Monaten Sommer wieder der Realität widme. Junge, wie schnell die
Zeit vergeht…J
Mir bleiben also noch 2-3 Wochen Phnom Penh, die ich
versuche so gut wie möglich zu genießen. Es wird mir schwer fallen, meine
Kinder hier zu verlassen, aber abgesehen davon freue ich mich auf eine
Veränderung. Phnom Penh ist eine tolle Stadt und ist definitiv zu einem
weiteren Zuhause geworden, doch nach Strand, Dschungel und so viel sorgenfreier
Entspannung, ist ein früherer Abschied von Chaos, Lärm und den Problemen der
Großstadt nicht die schlechteste Idee…
Es gilt also Phnom Penh-To do Liste abarbeiten. Letzte Woche
ging es mit einem Ausflug zu den Tempeln von Udong und einer 2,50 Dollar
Massage los, morgen mit Quadbiking am Mekong entlang weiter. Ich halte euch auf
dem Laufenden! :)