Aber nun zu den Erlebnissen der letzten Wochen. Es waren so ziemlich alle Emotionen dabei, Freude und ein wenig Stress beim Unterrichten, Heimweh wenn ich Straßenkinder im Alter meiner Geschwister oder sogar meines kleinen Cousins Konstantin auf dem Fußweg schlafen sah, Langeweile als mich eine Grippe und Ohrinfektion für einige Tage ans Bett fesselte und viel Lachen und Spaß mit den Kindern und anderen Freiwilligen hier. Unterm Strich war es ein wunderschöner Monat voller neuer Eindrücke und ich bin mir schon jetzt sicher, dass diese Reise die richtige Entscheidung war, vielleicht sogar bis jetzt eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
Vor 2 Wochen war das Pchum Ben's Festival in Kambodscha, eine Art Allerheiligen, zu dem alle Kambodschaner in ihre Heimatprovinzen gereist sind, um in den Tempeln ihre Ahnen zu würdigen. Von allen Buddhisten wurde die Teilnahme an mindestens 7 Zeremonien erwartet. Für uns Freiwillige hieß das 5 freie Tage zum rumreisen. Ich schloß mich einer Gruppe von 7 Mädels an, die nach Siem Reap und zu den legendären Tempeln Angkor Wat, Angkor Thom und Ta Prohm gereist ist. Allein die Busfahrten waren Erfahrungen für sich. Der Hinweg dauerte 9 Stunden statt prophezeiten 6, das Verladen des Gepäcks, zu dem auch Vieh und Motorräder gehörten dauerte schon eine Stunde und dann ging es über Huckelpisten durch die Nacht. Der Zustand der Straße zeigte sich daran, dass selbst 5 Blaulicht-Krankenwagen (oder hier eher Grünlicht) vor uns nicht schneller waren, als unser überladener Reisebus. Auf der Rückfahrt war es das komplette Gegenteil. Wir fuhren mit einem Minibus, 4 Stunden statt 5 und fuhren so rasant, dass Jen und ich (wir hatten die Plätze neben dem Fahrer) mehrmals aufschreien mussten. Würde man diese Fahrt im Comicstil verfilmen, sähe man eine kleine Staubwolke, die die ganze Zeit auf der Gegenspur fährt und Kühe, Hühner, Hunde und Motorräder würden links und rechts davonfliegen.
So abenteuerlich die Reise auch war, die Tage in Siem Reap waren wunderbar entspannt und schön. Die Tempel und die Natur ringsrum waren der absolute Wahnsinn, ich hab noch nie soviel natürliche Schönheit und atemberaubende Architektur an einem Fleck gesehen. Allein der Anblick der Tempelstadt Angkor Thom mit dem Tempel der vielen Gesichter, Bayon, war diese ganze Reise wert. Ich fand diesen Tempel fast schöner als die Hauptsehenswürdigkeit Kambodschas, Angkor Wat. Kann aber auch daran liegen, dass ich beim ersten Besuch des Tempels, erst einmal akrobatisch die Treppen hochklettern musste und dabei meine Stoffhose streikte. Ich war also die meiste Zeit in Gedanken bei dem immer größer werdenden Riss in meiner Hose, den ich letztenendes mit einem um die Hüfte gebundenen Regencape-Rock abdecken musste...irgendwie typisch für mich, wie sonst sollte ich einen der schönsten Orte der Welt besuchen ;) Siem Reap entpuppte sich als kleine aber schöne Stadt, die vor allem von Touristen zu leben scheint. Wir haben aber ein paar sehr leckere Khmer-Restaurants gefunden, in denen wir für 3-5 Dollar geschlemmt haben wie die Könige. Und die Clubs der Stadt, wie Angkor What? und Temple Club, waren auch nicht zu verachten...;)
Ansonsten drehte sich alles hauptsächlich um das Unterrichten an meiner Schule. Die Kinder sind alle so lieb, immer am lächeln, sehr kuschelbedürftig (auch die Jungs, aber nur wenn keiner ihrer Freunde guckt) und aufgedreht...es ist fast nicht zu glauben, dass sie aus den Slums kommen oder im Waisenhaus aufwachsen. Mittlerweile hab ich herausgefunden, dass nicht alle Waisen sind, sondern zum Teil auch einfach aus katastrophalen Verhältnissen kommen, oder ihre Eltern es sich finanziell nicht leisten können für ihre Kinder zu sorgen. Der Unterricht an sich ist ok, ich hab langsam eine Struktur entwickelt und erste Lernerfolge sind zum Glück auch schon zu sehen. Die meiste Zeit sind noch Khmer-Lehrer dabei, diese sind allerdings nur für die Übersetzung von dem was ich sage zuständig. Was teilweise Fluch und auch Segen ist...die Disziplin der Kinder ist tadellos wenn der Lehrer anwesend ist, die schwächeren unter ihnen hören allerdings kaum hin was ich sage sondern warten auf die Übersetzung. Mal sehen, vielleicht hab ich sie ja bald auf dem Stand, dass sie verstehen was ich sage, so dass der Lehrer überflüssig wird. Das wäre für den Nachmittag allerdings sehr schade, da die Lehrerin ihre 1 jährige Tochter mit in den Unterricht bringt. Es unterrichtet sich viel lockerer, wenn eine süße Kleine ständig versucht uns die Bildkarten zu klauen, oder bei Liedern mitquietscht.
Seit zwei Wochen sind zwei Australier, Maddie und Dylan, mit an meiner Schule und unterrichten andere Klassen. Es ist schön jetzt jemanden auf der langen Tuktuk-Fahrt dabei zu haben und mit jemandem über Schüler und Lehrer reden zu können.
Letzte Woche Freitag hatte Dylan Geburtstag und statt Unterricht fand den ganzen Vormittag eine riesige Party statt. Es war unglaublich, obwohl sie selbst kaum was haben, haben die Lehrer eine Torte organisiert und sogar Maddie und ich bekamen kleine Ketten als Geschenk.
Ein Mädchen in den Slums freut sich über die mitgebrachten Süßigkeiten :)
Am Samstag war ich dann zum "Dirty Weekend", was von Projects Abroad organisiert wurde. Wir sind in ein Waisenhaus gefahren, um dort die Wände im Hof und außen künstlerisch bunt zu gestalten. Hat total viel Spaß gemacht, leider hab ich noch kein Bild von unserem Kunstwerk bekommen. Witzigerweise fand es in einem Waisenhaus von "Asia's Hope" statt, dass heißt mir sind einige meiner Schüler entgegen gerannt gekommen, "Teacher, teacher...". :-D
Das wars auch schon mit den Neuigkeiten von meiner Seite. Da ich nun endlich Internet auf meinem Laptop habe (wenn auch seeehr langsames), wird der nächste Eintrag hoffentlich nicht lange auf sich warten lassen. Bis bald also!

