Thursday, December 13, 2012

Jingle bells, jingle bells, jingle on the palm trees...

Eine dänische Mitfreiwillige und ich sitzen im Mad Monkey und genießen unser Brunch.

„I’m sad to leave.”
“I know. I am glad I am here for 4 more months. I really couldn’t leave right now, it would break my heart.”
“But seriously…can you leave after 6 months?”


Diese Frage von ihr verfolgt mich seitdem  und wirft einen panisch-depressiven Schatten über alles was ich hier so lieb gewonnen habe. Was etwas lächerlich ist, wenn man noch etwas mehr als die Hälfte vor sich hat, aber mir schon mal prophezeit was nächsten März auf mich zukommt. Ich hab mich nach über  Monaten hier sehr gut eingelebt, habe interessante und liebe Menschen um  mich herum, liebe meine Arbeit und das Leben in Phnom Penh…kurz und knapp, ich bin sehr glücklich hier im Moment. Es ist meist ein sehr lockeres, spontanes Leben in der sogenannten „City of dreams“ (zumindest wenn man den ganzen Schildern in der Stadt Glauben schenkt), was wahrscheinlich vor allem an der Kurzweiligkeit der Bekanntschaften liegt. Mal abgesehen von den kambodschanischen Kontakten über Projects Abroad und meiner Schule, lernt man hier hauptsächliche andere Freiwillige und Backpacker kennen, die sich meist viel zu schnell wieder verabschieden. Man gewöhnt sich schnell daran, zum Beispiel habe ich während des Filmfestivals hier einen Franzosen kennengelernt, der 7 Jahre in Phnom Penh lebte und jetzt nach Bangkok gezogen ist. Wir haben uns über eine Stunde sehr offen über interessante und auch (für die Kürze der Bekanntschaft) sehr private Dinge wie Schicksalschläge unterhalten uns danach verabschiedet und ich bezweifle, dass wir uns nochmal über den Weg laufen. Aber so scheint es hier gang und gebe zu sein, was den Vorteil hat das man viele interessante Menschen kennenlernt…ab und zu trifft man sie am nächsten Abend oder Wochenende per Zufall wieder, aber meistens sieht man sich nicht wieder. Für eine Weile, vielleicht die nächsten Jahre, ist dieser Lebensstil ganz in Ordnung – aber auf Dauer wäre es nichts für mich. Ich bin ganz froh durch Couchsurfing einige Freunde gefunden zu haben, die zumindest genauso lange wie ich hier sein werden, auch wenn es genau solche „social butterflies“ sind…;)


Aber nun…fröhliche Adventszeit an alle!
Nicht dass ich hier viel davon mitbekomme, die Hitze und unbeeindruckten Gesichter der Khmers  sorgen schon dafür dass kaum Weihnachtsstimmung aufkommt. Lediglich der Supermarkt ist amerikanisch-kitschig geschmückt und die Shopping Malls scheinen auch den Braten zu riechen…aber das ist auch der Ort, an dem nur Reiche und „Westerners“ einkaufen gehen. Wir versuchen trotzdem das Beste draus zu machen. Zum Glück spielen meine christlich erzogenen Kinder in der Schule mit und sind begeistert, wenn ich ihnen Jingle Bells beibringe und sie Weihnachtsbilder malen lasse. Ich muss sagen dass meine Vorbehalte gegen eine christliche Schule inmitten des buddhistischen Kambodschas fast gänzlich verschwunden sind. Mein Glauben ist es nicht, aber den Kindern scheint es wirklich Hoffnung und Kraft zu geben – insofern bin ich glücklich. Zudem ist es so herrlich, wenn Kinder plötzlich anfangen christliche Lieder zu singen, die ich noch aus meiner Konfirmationszeit kenne. J Ich bin also von den wahrscheinlich einzigen kambodschanischen Menschen umgeben, die sich etwas aus Weihnachten machen. Da es allerdings kein Feiertag ist, dürfen sie sich aussuchen wann sie feiern. Anfang Dezember wurde deshalb lange rumgedruckst und nun wurde ich zu zwei Weihnachtsfeiern der Kirchgemeinde eingeladen, am 22.12. und am 29.12. Sie konnten sich nicht entscheiden und haben sich deshalb für gleich zweimal entschieden. Zudem kann der Bigboss von Asia’s Hope am 24. und 25. nicht, da kann schon mal Weihnachten für verschoben werden. Mich soll es nicht stören, meine Mitfreiwillige Kollegin und ich haben uns entschieden mit den Kindern am eigentlichen Tag unsere eigene kleine Feier zu machen. Da sie allerdings aus Australien kommt und erst am 25. feiert, übernehmen wir schlicht und einfach dass kambodschanische System…welches Waisenkind kann schon von sich behaupten gleich 4 mal Weihnachten feiern zu können? ;)

Silvester habe ich noch keinen Plan, aber ich träume davon mit einem Cocktail am Strand anstoßen zu können…muss ich nur noch jemanden finden, der mit nach Sihanoukville kommt.



Aber nicht alles läuft hier reibunglos nach dem Friede-Freude-Eierkuchen Prinzip, ich hab hier trotzdem meine täglichen Kleinkämpfe zu bestehen. Die größte Herausforderung sind (um ganz ehrlich zu sein) die kambodschanischen Lehrer und die so festgefahrenen Erziehungs- und Unterrichtsmethoden. Es ist für sie schwer zu verstehen, dass ich eine leichte Unruhe in der Klasse toleriere…während ich es nicht verstehe, weshalb Respekt auf Angst aufgebaut werden muss. Es war am Anfang sehr erstaunlich wie krass diszipliniert die Schüler waren, wenn ein Khmer-Lehrer anwesend ist…nachdem einer seine Tafellineal-Methode allerdings in meiner Klasse (an MEINEN Schülern!) demonstriert hat, weiß ich wieso...Geduldsherausforderung hoch zehn, es ist sehr schwer sachlich zu höflich zu bleiben und seine Autorität vor den Schülern nicht zu untergraben, wenn man ihn versucht davon abzubringen. Das war der Tiefpunkt meiner sehr angespannten und genervten Einstellung zu ihm…ich weiß sie haben andere Unterrichtsmethoden, aber es ist mir ein Rätsel warum sie nicht begreifen, dass die Schüler kein Wort Englisch lernen, wenn sie auf meine Fragen den Schülern die Antwort vorsagen – was darin resultiert dass die Schüler gar nicht versuchen mich zu verstehen oder eine Antwort zu finden, sondern nur auf die Antwort des Khmer-Lehrers warten. Es war und ist eine Herausforderung den Lehrer langsam an meine Taktik zu gewöhnen…gestern der erste Erfolg, jener Lehrer hat mich zum ersten Mal gefragt, ob er übersetzen soll  und mein Nein als Antwort akzeptiert (sonst hat er jeden noch so jeden kleinen Satz übersetzt…aber natürlich nicht die wichtigen grammatischen Regeln, da er die nicht versteht). Ich bin fast ein bisschen Stolz auf ihn… ;)


Nun gut, es ist spät. Ich werde mich spätestens nach Weihnachten wieder melden, um von meinen vier Weihnachtsfeiern und einer hoffentlich stattfindenden Reise an den Tropenstrand zu berichten. Lien-San-Hai!




Monday, November 26, 2012

Bamboo trains and Khmer Weddings




Ich liebe tropische Gewitter. Nichts im Vergleich zu den kleinen Weichei-Gewittern in Deutschland…Du siehst erst eine dunkle massive Wand auf dich zukommen, bedrohlich grummelnd und mit Blitzen um sich schlagend, dann schlägt mit einem lauten Trommeln der Regen auf die Erde ein. Für die nächste halbe bis ganze Stunde wird der Tag zur Nacht, man sieht nichts als schemenhafte Umrisse und taghelle Blitze,  das Wasser sammelt sich in Strömen auf den Straßen und steht einem bald bis zu den Waden…oder Knien, in kambodschanischen Verhältnissen gemessen. So ein „quite normal little rain“ geht hier gerade runter und ich sitze mit zwei  auf meinem Balkon und bestaune die nasse Welt…und freu mich dass es etwas kühler ist. Nach maximal zwei Stunden ist leider alles wieder vorbei und nur ein paar Pfützen bleiben als Beweis, dass es hier irgendwie mal geregnet hat.

In den letzten Wochen ist einiges passiert. Ich war für ein langes Wochenende in Battambang, eine Stadt im Westen von Kambodscha. Es waren ein paar sehr schöne, erlebnisreiche Tage. Wir hatten einen super Tuktuk-Fahrer, der uns viel vom „real Cambodia“ in den ländlichen Regionen gezeigt hat. Von wunderschönen Tempeln, einem der seltenen Weinbaugebieten, traditionellen Familienbetrieben, die Reispapier und Reisnudeln herstellen, bis hinzu Felshöhlen, aus denen in der Abenddämmerung tausende von Fledermäusen strömen. Das war der beeindruckendste Moment bis jetzt, eine schwarzer Schwarm von kleinen flatternden Punkten, der aus einer kleinen Felsöffnung strömt. Alle meinten, der Strom hält bis zu einer Stunde an, aber wir haben nur eine Viertelstunde ausgehalten…die Mädels fingen an zu kreischen und sich ins Tuktuk zu retten, als einige nasse Tropfen runterkamen. Ist Fledermauspisse wirklich so eklig? Sind das wirklich die Mädels mit denen ich am gleichen Tag Heuschrecke, Grashüpfer und Ratte probiert habe? ;-)
 






Das lustigste Highlight der Reise war definitiv der Bamboo train. Ein Bambusfloß mit einfachem Motor, das auf huckeligen Schienen dahinprescht. Sobald Gegenverkehr muss man anhalten, verhandeln wer den Weg räumt (meist der Zug mit den wenigsten Passagieren) und dann wird das ganze Dinge abgebaut, um Platz zu machen. Leider wird diese Transportmöglichkeit abgeschafft, sobald die Chinesen ihr Güterzugprojekt quer durch Südostasien fertiggestellt haben. Ich hoffe, das wird nicht so bald sein….















Wieder einmal befinde ich mich vor ein paar freien Tage, diesmal sogar eine ganze Woche (ich will ja nicht angeben…;)). Von Dienstag bis Donnerstag ist hier das Water festival, bei dem die Kambodschaner das Ende der Regenzeit feiern und das der Tonle Sap River seine Richtung ändert. Während der Regenzeit fließt der Fluss in Richtung See, jetzt ändert er es langsam wieder zu flussabwärts. Ich nutze die Chance und fahre mit zwei Mädels ab Dienstag an den Strand und Rabbit Island. Allerdings erst Dienstag, damit wir so viel Zeit wie möglich noch mit 3 Mitbewohnern verbringen können, die uns die Woche verlassen…es wird ruhig im Apartment 6. Leider…in den letzten zwei Monaten sind wir richtig zusammengewachsen, eine große Familie aus 12 völlig verschiedenen Charakteren, die trotz aller Unterschiede durch dick und dünn gehen und sehr viel Spaß miteinander hatten. Wir haben uns geschworen in 10 Jahren ein Haus in Sihanoukville (der ultimativen Strandstadt hier) zu mieten und den Sommer zusammen zu verbringen. Ich bin gespannt ob wir es wirklich machen, wäre sehr schön zu sehen was aus allen geworden ist.




Zumindest das letzte Wochenende mit allen war sehr lustig. Gestern waren wir bei einer Khmer-Hochzeit. Seang, eine sehr liebe Mitarbeiterin von Projects Abroad, hat das Wochenende geheiratet und hat alle Freiwilligen zur Wedding Reception eingeladen. Die Hochzeit an sich ging über 1,5 Tage (inklusive 12 verschiedene Hochzeitskleider, wobei wir 3 zu sehen bekamen) und am letzten Abend werden dann meist alle Freunde und Bekannte eingeladen. Es war unglaublich! Ein riesiger sehr edler Saal für ca. 700 Menschen in sehr schicken glitzernden Kleidern. Obwohl wir alle für europäische Verhältnisse Hochzeits-angemessen gekleidet waren, fühlten wir uns am Anfang etwas fehl am Platz. Essensplatten wurden im Akkord nachgeliefert, von einem ganzen kleinen Ferkel, Frühlingsrollen, bis hin zu Tintenfischsuppe war alles dabei. Alkohol gab es Bier und Whisky (12-jähriger Chiva…ist glaub ich klar woran ich mich gehalten habe ;)) und sobald der Brautstrauß geworfen und der Tanz eröffnet wurde floss davon ziemlich viel. Die Kambodschaner haben uns die Khmer Art zu tanzen beigebracht, was sehr lustig war, auch wenn ich die verschiedenen Handrollbewegungen wahrscheinlich nie verstehen werde. Der Rest des Abends verschwindet in einem verschwommenen Gelächterstrudel…zusammengefasst, es war ein wunderbarer Abend und Abschied von unserer jetzigen WG-Konstellation…und den Kater auf jeden Fall Wert. ;)

Thursday, November 8, 2012

Dead Kings and Tarantulas

Wieder einmal sind fast zwei Wochen vergangen, wieder einmal hab ich einen Infekt magnetisch angezogen und wieder einmal habe ich ein verlängertes Wochenende und ich darf verreisen. Diesmal gehts nach Battambang, ans westliche Ende von Kambodscha....ob das mit dem Nachtbus so eine gute Idee ist wage ich noch zu bezweifeln, aber davon berichte ich das nächste Mal.

Im Moment liege ich gerade an meinem neuen Lieblingsplatz, der Hängematte auf dem Balkon vor meinem Einzelzimmer...ja, juhu ich bin jetzt stolzer Bewohner eines kleinen Einzelzimmers. So sehr ich meine ehemalige Zimmermitbewohnerin auch mochte, sie geht diese Woche leider wieder zurück nach England und ich hab keine Ahnung wer als nächstes kommen wird...und das Zusammenleben mit 12 anderen Freiwilligen gestaltet sich wesentlich entspannter, wenn man auch mal die Tür hinter sich zuknallen kann.

Ansonsten kann ich stolz berichten dass ich mich mittlerweile super eingelebt habe und langsam die Art der Kambodschaner verstehe...zumindest der einfachen. Es herrscht ein unglaublicher Nationalstolz, was vielleicht daran liegt, dass das Land erst seit 30 Jahren unabhängig ist. Das sieht man auch daran, wieviele Menschen den Tod von Sihanouk betrauern. Für die, die es nicht wissen, der King's Father Sihanouk ist vor einigen Wochen gestorben. Er war eine sehr bedeutende Persönlichkeit für das Land, vor allem im Zusammenhang mit seiner Kooperation mit der Khmer Rouge (über die es sehr widersprüchliche Ansichten hier im Land gibt, je nachdem auf wen man trifft)...und er steht im Guinessbuch der Rekorde als Staatsmann mit den meisten Titeln überhaupt. Aber die Trauer die hier zelebriert wird ist wirklich...exzessiv. Als sein Sarg von China eingeflogen wurde und vom Flughafen in den Königspalast transportiert wurde, war ganz Phnom Penh auf den Beinen. Wir auch, 3 Stunden warten zwischen weinenden Kambodschanern, Popcornständen, pinkelnden Kindern und Mönchen, die alles auf ihren Ipads und Handys festhielten. Danach ging erst einmal gar nichts mehr. Kaum ein Laden oder Pub hatte offen und überall sieht man (auch noch immer) Bilder von ihm, umrahmt mit schwarzen Schleifen. Also wirklich überall, in jedem Laden, Straßenkreuzungen, Schulen, Haushalten....eine Geschäftsfrau wurde festgenommen, als sie sein Bild in ihrer Firma wieder von der Wand riss. Wer jetzt wie ich zuerst an Nordkorea denken muss, liegt aber (zumindest zum Großteil) falsch. Ich glaube die meisten sind wirklich sehr ergriffen von seinem Tod. Als ich an einem meiner freien Tage den Königspalast besuchte und wie alle Kambodschaner eine weiße Lilie unter sein Bild (und die Videoleinwand mit Live-Übertragung der Zeremonien um seinen Sarg herum) legte, waren alle erstaunlich gerührt und haben mir gedankt. Kommt scheinbar nicht oft vor, dass ein "Westerner" so etwas tut. Naja, 3 Monate ist er jetzt in dem Palast, danach findet die Beerdigung statt. Mit ein bisschen Glück kann man vielleicht daran teilnehmen...

Außerdem kann ich stolz berichten, dass ich bereits einige Punkte von meiner "To-Do-Liste" streichen kann. Ich habe den Trick langsam raus wie man ruhig und gelassen die chaotischen Straßen hier überqueren kann (die Motos und Jeeps einfach wie wilde Tiere behandeln, keine Angst zeigen und nicht in die Augen schauen) und habe meine ersten Motorrad-Taxi Fahrten hinter mir. Nachdem ich mir einmal gesagt habe, dass ich nicht herunterfallen werde, weil es total bescheuert wäre als erste westliche nicht-besoffene und nicht-bekiffte vom Motorrad zu fallen, macht es mir sogar sehr viel Spaß...vielleicht sollte ich auch einmal versuchen das Motorrad selbst zu fahren...allerdings nicht in Kambodscha.
Ein weiterer Must-Do Punkt hinter den jetzt ein fetter roter Haken kommt ist eine Tarantel zu essen. Ich kann ja schließlich nicht in ein exotisches Land fahren, ohne alle Nationalgerichte zu probieren.;) Nachdem man den ersten Ekel überwunden hat, schmeckt es auch gar nicht so schlimm....wie Kartoffelchips vielleicht. Nur die Haare an den Beinen waren sehr...ungewöhnlich im Mund. Nach der Spinne bin ich jetzt auch mutig genug für weitere "Nationalgerichte", wie Frosch, Käfer, Heuschrecke...nur die Hühnerföten im Ei müssen nicht sein, das ist mir dann doch eine Spur zu widerlich.
Hier das Beweisfoto:





Nun gut, ich werde mal der Köchin über die Schulter schauen was es heute gibt. Und gegen 8 machen wir uns dann auf den Weg zum Nachtbus...I'm excited! :)



Monday, October 29, 2012

Der erste Monat ist geschafft...

...ich sollte ein "leider" hinzufügen, denn wenn die nächsten Monate so schnell an mir vorbeizischen wie die ersten Wochen, sitz ich in ein paar Augenzwinkern schon wieder im Flieger in Richtung Heimat. Die ersten, die zur selben Zeit wie ich gekommen sind, verlassen Kambodscha auch schon wieder...
Aber nun zu den Erlebnissen der letzten Wochen. Es waren so ziemlich alle Emotionen dabei, Freude und ein wenig Stress beim Unterrichten, Heimweh wenn ich Straßenkinder im Alter meiner Geschwister oder sogar meines kleinen Cousins Konstantin auf dem Fußweg schlafen sah, Langeweile als mich eine Grippe und Ohrinfektion für einige Tage ans Bett fesselte und viel Lachen und Spaß mit den Kindern und anderen Freiwilligen hier. Unterm Strich war es ein wunderschöner Monat voller neuer Eindrücke und ich bin mir schon jetzt sicher, dass diese Reise die richtige Entscheidung war, vielleicht sogar bis jetzt eine der besten Entscheidungen meines Lebens.


Vor 2 Wochen war das Pchum Ben's Festival in Kambodscha, eine Art Allerheiligen, zu dem alle Kambodschaner in ihre Heimatprovinzen gereist sind, um in den Tempeln ihre Ahnen zu würdigen. Von allen Buddhisten wurde die Teilnahme an mindestens 7 Zeremonien erwartet. Für uns Freiwillige hieß das 5 freie Tage zum rumreisen. Ich schloß mich einer Gruppe von 7 Mädels an, die nach Siem Reap und zu den legendären Tempeln Angkor Wat, Angkor Thom und Ta Prohm gereist ist. Allein die Busfahrten waren Erfahrungen für sich. Der Hinweg dauerte 9 Stunden statt prophezeiten 6, das Verladen des Gepäcks, zu dem auch Vieh und Motorräder gehörten dauerte schon eine Stunde und dann ging es über Huckelpisten durch die Nacht. Der Zustand der Straße zeigte sich daran, dass selbst 5 Blaulicht-Krankenwagen (oder hier eher Grünlicht) vor uns nicht schneller waren, als unser überladener Reisebus. Auf der Rückfahrt war es das komplette Gegenteil. Wir fuhren mit einem Minibus, 4 Stunden statt 5 und fuhren so rasant, dass Jen und ich (wir hatten die Plätze neben dem Fahrer) mehrmals aufschreien mussten. Würde man diese Fahrt im Comicstil verfilmen, sähe man eine kleine Staubwolke, die die ganze Zeit auf der Gegenspur fährt und Kühe, Hühner, Hunde und Motorräder würden links und rechts davonfliegen.
So abenteuerlich die Reise auch war, die Tage in Siem Reap waren wunderbar entspannt und schön. Die Tempel und die Natur ringsrum waren der absolute Wahnsinn, ich hab noch nie soviel natürliche Schönheit und atemberaubende Architektur an einem Fleck gesehen. Allein der Anblick der Tempelstadt Angkor Thom  mit dem Tempel der vielen Gesichter, Bayon, war diese ganze Reise wert. Ich fand diesen Tempel fast schöner als die Hauptsehenswürdigkeit Kambodschas, Angkor Wat. Kann aber auch daran liegen, dass ich beim ersten Besuch des Tempels, erst einmal akrobatisch die Treppen hochklettern musste und dabei meine Stoffhose streikte. Ich war also die meiste Zeit in Gedanken bei dem immer größer werdenden Riss in meiner Hose, den ich letztenendes mit einem um die Hüfte gebundenen Regencape-Rock abdecken musste...irgendwie typisch für mich, wie sonst sollte ich einen der schönsten Orte der Welt besuchen ;) Siem Reap entpuppte sich als kleine aber schöne Stadt, die vor allem von Touristen zu leben scheint. Wir haben aber ein paar sehr leckere Khmer-Restaurants gefunden, in denen wir für 3-5 Dollar geschlemmt haben wie die Könige. Und die Clubs der Stadt, wie Angkor What? und Temple Club, waren auch nicht zu verachten...;)




Ansonsten drehte sich alles hauptsächlich um das Unterrichten an meiner Schule. Die Kinder sind alle so lieb, immer am lächeln, sehr kuschelbedürftig (auch die Jungs, aber nur wenn keiner ihrer Freunde guckt) und aufgedreht...es ist fast nicht zu glauben, dass sie aus den Slums kommen oder im Waisenhaus aufwachsen. Mittlerweile hab ich herausgefunden, dass nicht alle Waisen sind, sondern zum Teil auch einfach aus katastrophalen Verhältnissen kommen, oder ihre Eltern es sich finanziell nicht leisten können für ihre Kinder zu sorgen. Der Unterricht an sich ist ok, ich hab langsam eine Struktur entwickelt und erste Lernerfolge sind zum Glück auch schon zu sehen. Die meiste Zeit sind noch Khmer-Lehrer dabei, diese sind allerdings nur für die Übersetzung von dem was ich sage zuständig. Was teilweise Fluch und auch Segen ist...die Disziplin der Kinder ist tadellos wenn der Lehrer anwesend ist, die schwächeren unter ihnen hören allerdings kaum hin was ich sage sondern warten auf die Übersetzung. Mal sehen, vielleicht hab ich sie ja bald auf dem Stand, dass sie verstehen was ich sage, so dass der Lehrer überflüssig wird. Das wäre für den Nachmittag allerdings sehr schade, da die Lehrerin ihre 1 jährige Tochter mit in den Unterricht bringt. Es unterrichtet sich viel lockerer, wenn eine süße Kleine ständig versucht uns die Bildkarten zu klauen, oder bei Liedern mitquietscht.
Seit zwei Wochen sind zwei Australier, Maddie und Dylan, mit an meiner Schule und unterrichten andere Klassen. Es ist schön jetzt jemanden auf der langen Tuktuk-Fahrt dabei zu haben und mit jemandem über Schüler und Lehrer reden zu können.
Letzte Woche Freitag hatte Dylan Geburtstag und statt Unterricht fand den ganzen Vormittag eine riesige Party statt. Es war unglaublich, obwohl sie selbst kaum was haben, haben die Lehrer eine Torte organisiert und sogar Maddie und ich bekamen kleine Ketten als Geschenk.


Am gleichen Tag nahm uns ein Sozialarbeiter mit in die Slums und zu Slumkindern, die auf der Straße arbeiteten (Recyclingmaterial sammeln). Es war schön die Slums zu erleben, auch wenn es einem gleichzeitig in der Seele wehhtat. In Phnom Penh gibt es über 500 slum areas, wenn man bedenkt dass 50% der kambodschanischen Bevölkerung unter 16 ist, kann man sich vorstellen wieviel Kinder dort leben. Jener Sozialarbeiter leitet ein Kinderheim, in dem Slumkinder aus besonders schlimmen Verhältnissen untergebracht werden. Wie verständnisvoll er den Eltern zugehört hat, obwohl er genau wusste dass sie ihre Kinder für sich arbeiten lassen und diese wohlmöglich auch schlagen...er hat meinen vollsten Respekt.



Ein Mädchen in den Slums freut sich über die mitgebrachten Süßigkeiten :)


                    

Am Samstag war ich dann zum "Dirty Weekend", was von Projects Abroad organisiert wurde. Wir sind in ein Waisenhaus gefahren, um dort die Wände im Hof und außen künstlerisch bunt zu gestalten. Hat total viel Spaß gemacht, leider hab ich noch kein Bild von unserem Kunstwerk bekommen. Witzigerweise fand es in einem Waisenhaus von "Asia's Hope" statt, dass heißt mir sind einige meiner Schüler entgegen gerannt gekommen, "Teacher, teacher...". :-D

Das wars auch schon mit den Neuigkeiten von meiner Seite. Da ich nun endlich Internet auf meinem Laptop habe (wenn auch seeehr langsames), wird der nächste Eintrag hoffentlich nicht lange auf sich warten lassen. Bis bald also!








Sunday, October 7, 2012

Eindrücke der ersten Woche



So, nun bin ich seit einigen Tagen richtig in Kambodscha und versuche mal ein paar Eindrücke in Worte zu fassen. Ich sage bewusst „einige“, da hier die ganze Zeit so viel Neues auf mich einströmt, dass ich mich die meiste Zeit völlig erschlagen fühle. Die ersten zwei Tage hatte sich so viel neues angesammelt, dass ich einfach nur heulen wollte…nicht weil es mir nicht gefällt, es ist wunderbar hier, aber ich glaube meinem Gehirn und Nerven war es einfach zu viel auf einmal. Ich glaube aber, dass Phnom Penh mir wirklich ans Herz wachsen wird.
Naja, tobeginatthebeginning, nach 19 Stunden auf der Reise kam ich Dienstagabend in Phnom Penh an. Nachdem ich das Visa erhalten habe verließ ich den Flughafen…und kein Mitarbeiter von ProjectsAbroad zu sehen. Mein Herz sackte mir erstmal in die Hose. Zum Glück kam aber kurze Zeit später jemand und brachte mich zu meinem Apartment. Die anderen Freiwilligen haben mich unglaublich lieb empfangen und gleich eingeladen, mit ins Café zu gehen. Aber ich war an dem Abend zu nichts mehr zu gebrauchen. Am nächsten Morgen hatte ich ein Einführungstreffen mit 3 anderen Freiwilligen und Sopah, unseren Betreuer – der, scheinbar typisch für Kambodschaner, sehr viel und gern redet und noch mehr lacht. Selbst über Dinge, die wir gar nicht komisch finden würden. Er erzählte zum Beispiel (über unsere Gesichter lachend) wie er am Wochenende einem Nachbarn half seinen toten Freund zum Tempel zu tragen.  Und machte sich darüber lustig, wie westliche Nationen mit dem Tod umgehen – in Kambodscha ist er ein völlig selbstverständlicher Teil des Lebens und er hätte schon so viele Tote zum Tempel getragen. Nun, er zeigte uns per Tuktuk die Stadt und begleitete mich am Nachmittag zu meiner Schule. Da wartete bereits eine genauso fröhliche Schulleiterin auf uns, die mir gleich mit einem strahlenden Lächeln zwei Hefte auf den Tisch legte und meinte, sie hätten für vormittags dritte Klasse und nachmittags zweite keine Lehrer, ob ich das nicht gleich mal morgen austesten möchte. Bei dem und dem Kapitel sind sie jetzt. Aber natürlich wäre es meine Entscheidung. So ein bisschen fing Panik an in mir aufzusteigen, vor allem da ich nur kleine Teile von dem was sie erzählte verstand: Es war gerade Pause und die Kinder draußen am Schreien und die Khmer-Englischaussprache ist nicht wirklich verständlich für Nichteingeweihte.  Gleich darauf fing sie aber in viel klarerem Englisch an von ihrem neuen Glauben an Gott an zu schwärmen (bevor sie die Schulgründer kennengelernt hat war sie wie alle Kambodschaner Buddhist), dass sie der festen Überzeugung ist ich wurde von Gott gesandt und es ist egal ob ich daran glaube oder nicht, er sieht alles was ich tue (war wahrscheinlich als wunderschönes Kompliment gemeint, aber im Nachhinein finde ich es ein bisschen gruslig)….wer kann denn da nein sagen? Den Rest des Tages verbrachte ich also in der Panik, dass ich 5 Stunden zu planen hatte. Die legte sich auch erst, als ich mit den anderen nach dem Abendbrot zu Jarsof Clay gegangen bin, ein Café dass das Waisenhaus unterstützt, in dem meine Zimmermitbewohnerin arbeitet. Die haben da Kuchen und Torten...sowas tolles hab ich selbst in Deutschland noch nicht gegessen.:)
Der nächste Tag war eine Herausforderung.  Dass Tuktuk-fahrer immer nett ja sagen, obwohl sie den Weg gar nicht kennen,  bewahrheitete sich gleich am ersten Arbeitstag, als ich gleich mal eine Viertelstunde zu spät kam, weil ich zu etwas völlig anderem gefahren wurde. Nach den drei Stunden am Vormittag war ich erstmal am Ende, auch wenn ich  nicht genau weiß wieso eigentlich. Ich hatte einen Lehrer mit dabei, der vieles übersetzte und da er in der Klasse war, blieben auch die Schüler ruhig. Das Klassenzimmer ist unglaublich klein, zwei Bankreihen und in der Mitte gerade mal so viel Platz, dass man durchlaufen kann. Da ich an Sitzkreise und Bewegungsspiele gedacht hatte, war das etwas unpraktisch. Da ich nicht wusste wie ihr Englischlevel war musste ich viel improvisieren. Und prompt fiel auch schon eine geplante Stunde weg und ich musste mir was aus den Fingern saugen, da sie die Vokabeln schon kannten und sich anfingen zu langweilen.Fazit: Einzelne Wörter auswendig lernen können sie gut, aber frei sprechen überhaupt. Laut der Schulleitung bin ich jetzt dafür zuständig. Der Nachmittag war viel angenehmer. Statt 14 hatte ich jetzt nur noch 8 Schüler, genügend Platz im Klassenzimmer und eine liebe kleine Lehrerin, deren einjährige Tochter mit durchs Zimmer stolperte, mir immer Bälle zuwarf und am liebsten auch mit Bildkarten sortieren wollte. Es war also schön entspannt und die Mädels der Truppe haben mir in der Pause auch meine erste Khmer-Stunde gegeben. Sie haben mir alle Wörter, die ich ihnen beigebracht habe auf Khmer vorgesagt, sie mich gnadenlos wiederholen lassen bis ich die Aussprache drauf hatte und immer wieder zwischendrin wiederholt, damit ich auch ja keins vergesse. Wenn ich so nach 6 Monaten kein fließend Khmer spreche…;)
Sonst passiert um mich herum noch so viel, dass mir der Kopf schwirrt. Immer noch übermüdet von dem Jetlag kann ich einfach nur alles um mich herum anstaunen. Schon allein was auf den Straßen los ist, besonders die auf Arbeit. Ich wohne am südlichen Ende der Stadt und muss zur Schule immer mit meinem persönlichen Tuktuk-Fahrer eine halbe Stunde die National Road lang, raus aus der Stadt, über den Mekong hinüber und ins Landesinnere hinein. Nachdem ich mich mit Sophan erst einmal über die ganzen Menschen mit diesen medizinischen Mundmasken lustig gemacht hatte (er meinte viele Frauen tragen dass um ihren Teint zu bewahren), war ich dann ganz froh als mir Vuthoeun eine schenkte. Es ist unglaublich was da an Abgasen und vor allem Staub zusammenkommt. Aber die vielen Menschen, die da unterwegs sind. Marktleute mit Handkarren, Mönche, bettelnde Kinder, viele viele  Motorräder,  die oft einen ganzen Lieferwagen ersetzen (eines hatte ca. 20 lebende Hühner am Lenkrad festgebunden und drei Schweine (allerdings tot) auf dem Rücksitz gestapelt…und immer das Gesetz, wer am lautesten hupt gewinnt. Es stimmt wirklich, es existieren keine wirklichen Verkehrsregeln. In der Stadt gibt es zwar Ampeln, die dir sogar den Countdown runterzählen, wie lange es noch rot oder grün ist, aber sonst heißt es einfach ausweichen, wenn hinter dir ein lauteres Hupen als dein eigenes ertönt.
Und einige sehr lustige Momente mit den anderen hier hatte ich auch schon. Zum Beispiel wie wir 7 Freiwilligen uns auf dem Weg zum Kino in ein Tuktuk quetschen, was eigentlich für maximal 4 ausgelegt ist. Zwei mussten sich einfach aufs Geländer setzen und einer hinter den Fahrer. Alle Khmers haben uns ausgelacht, weil wir so unglaublich langsam waren…aber wir kamen alle ans Ziel.:) Auf dem Rückweg haben wir wieder versucht ein Tuktuk zusammenzufinden, aber die meisten haben uns nur doof angeschaut und abgewinkt. Bis ein älterer Herr einen seiner jüngeren Mitarbeiter verdonnerte uns zu fahren, einfach weil er sehen wollte wie wir alle in eins reinklettern wollen. Er hätte sowas noch nie gesehen. Auch er hat sich dann scheckig gelacht ;) Bei diesem Ausflug hab ich auch in Veranstaltungsmagazinen gelesen, dass Phnom Penh eine sehr interessante Kulturszene haben muss, die von vielen jungen Künstlern und teilweise auch von Backpackern leben soll…ich freu mich drauf. 
So, jetzt hab ich ziemlich viel runtergeschrieben, ich glaube das entschuldigt mich erst einmal für eine Weile, oder? ;) 

Das Wochenende war ich auf den Killing Fields und hab die Kulturszene Phnom Penhs erkundet. Davon berichte ich aber spaeter, da gibts dann auch Bilder.:)