Wieder einmal sind fast zwei Wochen vergangen, wieder einmal hab ich einen Infekt magnetisch angezogen und wieder einmal habe ich ein verlängertes Wochenende und ich darf verreisen. Diesmal gehts nach Battambang, ans westliche Ende von Kambodscha....ob das mit dem Nachtbus so eine gute Idee ist wage ich noch zu bezweifeln, aber davon berichte ich das nächste Mal.
Im Moment liege ich gerade an meinem neuen Lieblingsplatz, der Hängematte auf dem Balkon vor meinem Einzelzimmer...ja, juhu ich bin jetzt stolzer Bewohner eines kleinen Einzelzimmers. So sehr ich meine ehemalige Zimmermitbewohnerin auch mochte, sie geht diese Woche leider wieder zurück nach England und ich hab keine Ahnung wer als nächstes kommen wird...und das Zusammenleben mit 12 anderen Freiwilligen gestaltet sich wesentlich entspannter, wenn man auch mal die Tür hinter sich zuknallen kann.
Ansonsten kann ich stolz berichten dass ich mich mittlerweile super eingelebt habe und langsam die Art der Kambodschaner verstehe...zumindest der einfachen. Es herrscht ein unglaublicher Nationalstolz, was vielleicht daran liegt, dass das Land erst seit 30 Jahren unabhängig ist. Das sieht man auch daran, wieviele Menschen den Tod von Sihanouk betrauern. Für die, die es nicht wissen, der King's Father Sihanouk ist vor einigen Wochen gestorben. Er war eine sehr bedeutende Persönlichkeit für das Land, vor allem im Zusammenhang mit seiner Kooperation mit der Khmer Rouge (über die es sehr widersprüchliche Ansichten hier im Land gibt, je nachdem auf wen man trifft)...und er steht im Guinessbuch der Rekorde als Staatsmann mit den meisten Titeln überhaupt. Aber die Trauer die hier zelebriert wird ist wirklich...exzessiv. Als sein Sarg von China eingeflogen wurde und vom Flughafen in den Königspalast transportiert wurde, war ganz Phnom Penh auf den Beinen. Wir auch, 3 Stunden warten zwischen weinenden Kambodschanern, Popcornständen, pinkelnden Kindern und Mönchen, die alles auf ihren Ipads und Handys festhielten. Danach ging erst einmal gar nichts mehr. Kaum ein Laden oder Pub hatte offen und überall sieht man (auch noch immer) Bilder von ihm, umrahmt mit schwarzen Schleifen. Also wirklich überall, in jedem Laden, Straßenkreuzungen, Schulen, Haushalten....eine Geschäftsfrau wurde festgenommen, als sie sein Bild in ihrer Firma wieder von der Wand riss. Wer jetzt wie ich zuerst an Nordkorea denken muss, liegt aber (zumindest zum Großteil) falsch. Ich glaube die meisten sind wirklich sehr ergriffen von seinem Tod. Als ich an einem meiner freien Tage den Königspalast besuchte und wie alle Kambodschaner eine weiße Lilie unter sein Bild (und die Videoleinwand mit Live-Übertragung der Zeremonien um seinen Sarg herum) legte, waren alle erstaunlich gerührt und haben mir gedankt. Kommt scheinbar nicht oft vor, dass ein "Westerner" so etwas tut. Naja, 3 Monate ist er jetzt in dem Palast, danach findet die Beerdigung statt. Mit ein bisschen Glück kann man vielleicht daran teilnehmen...
Außerdem kann ich stolz berichten, dass ich bereits einige Punkte von meiner "To-Do-Liste" streichen kann. Ich habe den Trick langsam raus wie man ruhig und gelassen die chaotischen Straßen hier überqueren kann (die Motos und Jeeps einfach wie wilde Tiere behandeln, keine Angst zeigen und nicht in die Augen schauen) und habe meine ersten Motorrad-Taxi Fahrten hinter mir. Nachdem ich mir einmal gesagt habe, dass ich nicht herunterfallen werde, weil es total bescheuert wäre als erste westliche nicht-besoffene und nicht-bekiffte vom Motorrad zu fallen, macht es mir sogar sehr viel Spaß...vielleicht sollte ich auch einmal versuchen das Motorrad selbst zu fahren...allerdings nicht in Kambodscha.
Ein weiterer Must-Do Punkt hinter den jetzt ein fetter roter Haken kommt ist eine Tarantel zu essen. Ich kann ja schließlich nicht in ein exotisches Land fahren, ohne alle Nationalgerichte zu probieren.;) Nachdem man den ersten Ekel überwunden hat, schmeckt es auch gar nicht so schlimm....wie Kartoffelchips vielleicht. Nur die Haare an den Beinen waren sehr...ungewöhnlich im Mund. Nach der Spinne bin ich jetzt auch mutig genug für weitere "Nationalgerichte", wie Frosch, Käfer, Heuschrecke...nur die Hühnerföten im Ei müssen nicht sein, das ist mir dann doch eine Spur zu widerlich.
Hier das Beweisfoto:
Nun gut, ich werde mal der Köchin über die Schulter schauen was es heute gibt. Und gegen 8 machen wir uns dann auf den Weg zum Nachtbus...I'm excited! :)
Auch wenn ich nun weise genug geworden bin, um die Tür hinter mir nicht zu zuknallen, sondern leise aber bestimmt zu schließen, kann ich dir nur zustimmen, daß sich der Umgang mit Mitbewohner so wesentlich entspannter gestaltet.
ReplyDeleteWieso liegt da eigentlich eine Gabel rum?
Hmpf. DAS stelle ich mir so was von unangenehm vor, wenn das Vieh in salamidünnen Scheiben wäre... aber im Ganzen?!
ReplyDeleteDie Gabel dient wahrscheinlich der Selbstverteidigung. Wer weiß schon, wie die Spinne reagiert, wenn sie doch nicht tot ist, aber schlagartig erkennt, dass man sie töten und verspeisen wollte. Ist doch so? ;o)
Statt der Gabel empfiehlt sich eher Pfefferspray. Die Spinne wäre kampfunfähig und gleich ordentlich gewürzt. Gut, mit der Gabel könnte man sie auch bewußtlos schlagen bevor man sie verspeist. Aber da würde sich ein Fleischklopfer anbieten. Das hätte auch den Vorteil, daß sie dann besser zwischen zwei Salatblätter paßt.
ReplyDelete