Monday, November 26, 2012

Bamboo trains and Khmer Weddings




Ich liebe tropische Gewitter. Nichts im Vergleich zu den kleinen Weichei-Gewittern in Deutschland…Du siehst erst eine dunkle massive Wand auf dich zukommen, bedrohlich grummelnd und mit Blitzen um sich schlagend, dann schlägt mit einem lauten Trommeln der Regen auf die Erde ein. Für die nächste halbe bis ganze Stunde wird der Tag zur Nacht, man sieht nichts als schemenhafte Umrisse und taghelle Blitze,  das Wasser sammelt sich in Strömen auf den Straßen und steht einem bald bis zu den Waden…oder Knien, in kambodschanischen Verhältnissen gemessen. So ein „quite normal little rain“ geht hier gerade runter und ich sitze mit zwei  auf meinem Balkon und bestaune die nasse Welt…und freu mich dass es etwas kühler ist. Nach maximal zwei Stunden ist leider alles wieder vorbei und nur ein paar Pfützen bleiben als Beweis, dass es hier irgendwie mal geregnet hat.

In den letzten Wochen ist einiges passiert. Ich war für ein langes Wochenende in Battambang, eine Stadt im Westen von Kambodscha. Es waren ein paar sehr schöne, erlebnisreiche Tage. Wir hatten einen super Tuktuk-Fahrer, der uns viel vom „real Cambodia“ in den ländlichen Regionen gezeigt hat. Von wunderschönen Tempeln, einem der seltenen Weinbaugebieten, traditionellen Familienbetrieben, die Reispapier und Reisnudeln herstellen, bis hinzu Felshöhlen, aus denen in der Abenddämmerung tausende von Fledermäusen strömen. Das war der beeindruckendste Moment bis jetzt, eine schwarzer Schwarm von kleinen flatternden Punkten, der aus einer kleinen Felsöffnung strömt. Alle meinten, der Strom hält bis zu einer Stunde an, aber wir haben nur eine Viertelstunde ausgehalten…die Mädels fingen an zu kreischen und sich ins Tuktuk zu retten, als einige nasse Tropfen runterkamen. Ist Fledermauspisse wirklich so eklig? Sind das wirklich die Mädels mit denen ich am gleichen Tag Heuschrecke, Grashüpfer und Ratte probiert habe? ;-)
 






Das lustigste Highlight der Reise war definitiv der Bamboo train. Ein Bambusfloß mit einfachem Motor, das auf huckeligen Schienen dahinprescht. Sobald Gegenverkehr muss man anhalten, verhandeln wer den Weg räumt (meist der Zug mit den wenigsten Passagieren) und dann wird das ganze Dinge abgebaut, um Platz zu machen. Leider wird diese Transportmöglichkeit abgeschafft, sobald die Chinesen ihr Güterzugprojekt quer durch Südostasien fertiggestellt haben. Ich hoffe, das wird nicht so bald sein….















Wieder einmal befinde ich mich vor ein paar freien Tage, diesmal sogar eine ganze Woche (ich will ja nicht angeben…;)). Von Dienstag bis Donnerstag ist hier das Water festival, bei dem die Kambodschaner das Ende der Regenzeit feiern und das der Tonle Sap River seine Richtung ändert. Während der Regenzeit fließt der Fluss in Richtung See, jetzt ändert er es langsam wieder zu flussabwärts. Ich nutze die Chance und fahre mit zwei Mädels ab Dienstag an den Strand und Rabbit Island. Allerdings erst Dienstag, damit wir so viel Zeit wie möglich noch mit 3 Mitbewohnern verbringen können, die uns die Woche verlassen…es wird ruhig im Apartment 6. Leider…in den letzten zwei Monaten sind wir richtig zusammengewachsen, eine große Familie aus 12 völlig verschiedenen Charakteren, die trotz aller Unterschiede durch dick und dünn gehen und sehr viel Spaß miteinander hatten. Wir haben uns geschworen in 10 Jahren ein Haus in Sihanoukville (der ultimativen Strandstadt hier) zu mieten und den Sommer zusammen zu verbringen. Ich bin gespannt ob wir es wirklich machen, wäre sehr schön zu sehen was aus allen geworden ist.




Zumindest das letzte Wochenende mit allen war sehr lustig. Gestern waren wir bei einer Khmer-Hochzeit. Seang, eine sehr liebe Mitarbeiterin von Projects Abroad, hat das Wochenende geheiratet und hat alle Freiwilligen zur Wedding Reception eingeladen. Die Hochzeit an sich ging über 1,5 Tage (inklusive 12 verschiedene Hochzeitskleider, wobei wir 3 zu sehen bekamen) und am letzten Abend werden dann meist alle Freunde und Bekannte eingeladen. Es war unglaublich! Ein riesiger sehr edler Saal für ca. 700 Menschen in sehr schicken glitzernden Kleidern. Obwohl wir alle für europäische Verhältnisse Hochzeits-angemessen gekleidet waren, fühlten wir uns am Anfang etwas fehl am Platz. Essensplatten wurden im Akkord nachgeliefert, von einem ganzen kleinen Ferkel, Frühlingsrollen, bis hin zu Tintenfischsuppe war alles dabei. Alkohol gab es Bier und Whisky (12-jähriger Chiva…ist glaub ich klar woran ich mich gehalten habe ;)) und sobald der Brautstrauß geworfen und der Tanz eröffnet wurde floss davon ziemlich viel. Die Kambodschaner haben uns die Khmer Art zu tanzen beigebracht, was sehr lustig war, auch wenn ich die verschiedenen Handrollbewegungen wahrscheinlich nie verstehen werde. Der Rest des Abends verschwindet in einem verschwommenen Gelächterstrudel…zusammengefasst, es war ein wunderbarer Abend und Abschied von unserer jetzigen WG-Konstellation…und den Kater auf jeden Fall Wert. ;)

Thursday, November 8, 2012

Dead Kings and Tarantulas

Wieder einmal sind fast zwei Wochen vergangen, wieder einmal hab ich einen Infekt magnetisch angezogen und wieder einmal habe ich ein verlängertes Wochenende und ich darf verreisen. Diesmal gehts nach Battambang, ans westliche Ende von Kambodscha....ob das mit dem Nachtbus so eine gute Idee ist wage ich noch zu bezweifeln, aber davon berichte ich das nächste Mal.

Im Moment liege ich gerade an meinem neuen Lieblingsplatz, der Hängematte auf dem Balkon vor meinem Einzelzimmer...ja, juhu ich bin jetzt stolzer Bewohner eines kleinen Einzelzimmers. So sehr ich meine ehemalige Zimmermitbewohnerin auch mochte, sie geht diese Woche leider wieder zurück nach England und ich hab keine Ahnung wer als nächstes kommen wird...und das Zusammenleben mit 12 anderen Freiwilligen gestaltet sich wesentlich entspannter, wenn man auch mal die Tür hinter sich zuknallen kann.

Ansonsten kann ich stolz berichten dass ich mich mittlerweile super eingelebt habe und langsam die Art der Kambodschaner verstehe...zumindest der einfachen. Es herrscht ein unglaublicher Nationalstolz, was vielleicht daran liegt, dass das Land erst seit 30 Jahren unabhängig ist. Das sieht man auch daran, wieviele Menschen den Tod von Sihanouk betrauern. Für die, die es nicht wissen, der King's Father Sihanouk ist vor einigen Wochen gestorben. Er war eine sehr bedeutende Persönlichkeit für das Land, vor allem im Zusammenhang mit seiner Kooperation mit der Khmer Rouge (über die es sehr widersprüchliche Ansichten hier im Land gibt, je nachdem auf wen man trifft)...und er steht im Guinessbuch der Rekorde als Staatsmann mit den meisten Titeln überhaupt. Aber die Trauer die hier zelebriert wird ist wirklich...exzessiv. Als sein Sarg von China eingeflogen wurde und vom Flughafen in den Königspalast transportiert wurde, war ganz Phnom Penh auf den Beinen. Wir auch, 3 Stunden warten zwischen weinenden Kambodschanern, Popcornständen, pinkelnden Kindern und Mönchen, die alles auf ihren Ipads und Handys festhielten. Danach ging erst einmal gar nichts mehr. Kaum ein Laden oder Pub hatte offen und überall sieht man (auch noch immer) Bilder von ihm, umrahmt mit schwarzen Schleifen. Also wirklich überall, in jedem Laden, Straßenkreuzungen, Schulen, Haushalten....eine Geschäftsfrau wurde festgenommen, als sie sein Bild in ihrer Firma wieder von der Wand riss. Wer jetzt wie ich zuerst an Nordkorea denken muss, liegt aber (zumindest zum Großteil) falsch. Ich glaube die meisten sind wirklich sehr ergriffen von seinem Tod. Als ich an einem meiner freien Tage den Königspalast besuchte und wie alle Kambodschaner eine weiße Lilie unter sein Bild (und die Videoleinwand mit Live-Übertragung der Zeremonien um seinen Sarg herum) legte, waren alle erstaunlich gerührt und haben mir gedankt. Kommt scheinbar nicht oft vor, dass ein "Westerner" so etwas tut. Naja, 3 Monate ist er jetzt in dem Palast, danach findet die Beerdigung statt. Mit ein bisschen Glück kann man vielleicht daran teilnehmen...

Außerdem kann ich stolz berichten, dass ich bereits einige Punkte von meiner "To-Do-Liste" streichen kann. Ich habe den Trick langsam raus wie man ruhig und gelassen die chaotischen Straßen hier überqueren kann (die Motos und Jeeps einfach wie wilde Tiere behandeln, keine Angst zeigen und nicht in die Augen schauen) und habe meine ersten Motorrad-Taxi Fahrten hinter mir. Nachdem ich mir einmal gesagt habe, dass ich nicht herunterfallen werde, weil es total bescheuert wäre als erste westliche nicht-besoffene und nicht-bekiffte vom Motorrad zu fallen, macht es mir sogar sehr viel Spaß...vielleicht sollte ich auch einmal versuchen das Motorrad selbst zu fahren...allerdings nicht in Kambodscha.
Ein weiterer Must-Do Punkt hinter den jetzt ein fetter roter Haken kommt ist eine Tarantel zu essen. Ich kann ja schließlich nicht in ein exotisches Land fahren, ohne alle Nationalgerichte zu probieren.;) Nachdem man den ersten Ekel überwunden hat, schmeckt es auch gar nicht so schlimm....wie Kartoffelchips vielleicht. Nur die Haare an den Beinen waren sehr...ungewöhnlich im Mund. Nach der Spinne bin ich jetzt auch mutig genug für weitere "Nationalgerichte", wie Frosch, Käfer, Heuschrecke...nur die Hühnerföten im Ei müssen nicht sein, das ist mir dann doch eine Spur zu widerlich.
Hier das Beweisfoto:





Nun gut, ich werde mal der Köchin über die Schulter schauen was es heute gibt. Und gegen 8 machen wir uns dann auf den Weg zum Nachtbus...I'm excited! :)