Wednesday, April 10, 2013

Big city life und Burkas am Strand



Big city life und Burkas am Strand

Und nun ist es soweit, die Zeit zur Realität zurückzukehren hat es letztendendes doch geschafft mich (schweißgetränkt und keuchend, aber zielsicher) einzuholen und so sitze ich, wieder einmal und zum letzten Mal für dieses Abenteuer, am  Flughafen und warte…und warte. Ist es wirklich schon soweit? Hab ich nicht irgendetwas noch vergessen? Und jetzt fallen mir all diese anderen tollen Orte ein, die mich von der Abflugstafel aus anlächeln und nur darauf warten entdeckt zu werden, aber eigentlich freue ich mich erst einmal darauf nach Hause zu kommen. Das Reisen mit zwei deutschen Freunden hatte den Vorteil, dass ich mich langsam wieder auf Deutschland einstellen konnte und spätestens (wieder) allein am Strand in Ko Phi Phi, umgeben von Touristenschwärmen, war mir klar: Jetzt reichts erstmal, ich bin wieder bereit für kalte graue, aber klare Luft, richtigen Kaffee auf Mamas Terrasse, meine Geschwister knuddeln, mit dem Fahrrad durch Leipzigs Straßen und Parks zu fahren, meine Freunde, WG und sogar mal wieder in der Unibibo sitzen und etwas hochtrabend Intellektuelles lesen. Und da ich fest davon überzeugt bin dem Winter dieses Jahr entgangen zu sein, habe ich mit einem Freund eine Wette abgeschlossen, dass das Thermometer es innerhalb einer Woche, nachdem ich daheim angekommen bin, schafft auf 20 Grad hochzukraxeln. Sehr optimistisch, aber irgendwie muss man sich ja an ein bisschen Hoffnung klammern.


Auch wenn ich mich innerlich schon langsam wieder auf Deutschland eingestellt habe, der letzte Reiseabschnitt Thailand war ebenso genial, wie der erste Teil meiner Reise. Während mir Laos in vielen Dingen eher wie ein ländlicheres Kambodscha vorkam, scheint sich Thailand doch sehr von den beiden zu unterscheiden. Wesentlich besser entwickelt, wesentlich touristischer, ein ganzes Stückchen teurer und trotzdem hat es noch etwas dieser kunterbunt-fröhlich-gastfreundlich chaotischen Ausstrahlung Südostasiens. Auch hier sind die Menschen sehr freundlich und höflich, aber sehr viel mehr am Westen orientiert (zumindest in den touristischen Orten, die ich gesehen habe) und dadurch moderner. Frauen scheinen sehr viel mehr Freiheiten zu haben, kleiden sich öfter westlich-leger, zum ersten Mal sehe ich auch junge Asiatinnen mit Kurzhaarschnitten und es ist bei erstaunlich vielen auf den ersten Blick gar nicht so einfach zu sagen, ob sie nun Frau oder Ladyboy sind.
Vor allem in Bangkok fielen mir diese Freiheiten auf. Aber wo, wenn nicht in Bangkok? Diese Stadt ist der Wahnsinn! Mir wurde vor Beginn meiner Reise gesagt „you either love or hate it“ und so bin ich sehr neugierig, aber ohne größere Erwartungen an meine 5 Nights in Bangkok herangegangen. Und trotz dass sie mich an meinem ersten Abend mit einem lauten Neonlicht-zu viele Menschen-Schlag ins Gesicht überwältigt hat, ist es eine der schönsten interessantesten Städte in der ich je war. 

 
Am ersten Abend, der Tag des letzten Blogeintrags, kam ich zunächst völlig fertig kurz vor Mitternacht am Flughafen an. Die günstigen Busse fuhren nicht mehr, so dass ich einen Zug bis zur Endstation, Phaya Thay, nahm. Von dort aus sollte ich ein Taxi bis zur Unterkunft nehmen. Nur hielt keins…selbst als ich die Heranwink-Taktik der Thais um mich herum übernahm. Als dann endlich welche hielten, weigerten sie sich nach Taximeter zu fahren und nannten mir stattdessen Preise, von denen selbst ich Bangkok-Neuling wusste, dass sie völlig überteuert waren. Letztenendes gab ich nach und handelte beim 5.  No-Taximeter den günstigsten Preis aus, zu dem er sich herabließ (immer noch überteuert) und ließ mich zur Unterkunft fahren. Jaaa…ich hätte es wissen müssen. Man sollte misstrauisch werden, wenn Aircon-Einzelzimmer mit eigenem Bad im Touri-Zentrum genauso viel kosten, wie anderswo Dormzimmer. Günstig war es…nur die Review eines anderen Gastes (die ich natürlich erst nach Check In gelesen habe), dass es einer Thai-Gefängniszelle gleichen würde, kann ich bestätigen. Nun gut, die indischen Männer, die auch das Shisha-Restaurant dass zum Hostel gehörte betrieben, waren sehr nett und meine Tür ließ sich gut verriegeln, so dass ich mir zumindest keine Sorgen um meine Sicherheit machte. Da ich es sowieso nicht lange in diesem Zimmer aushielt, erkundete ich noch in dieser Nacht die nahe Khao San Road, Vergnügungsmeile für Backpacker, Pub Street tausendmal extremer, ein Ort an dem wirklich alles zu bekommen ist, was einem verrückten Backpacker so einfallen könnte. Von überall her trönt laute Musik, Leuchtschilder und Neonlicht türmen sich an den Hauswänden, vor den Bars, Clubs und Hostels reihen sich Streetfood- und Klamottenstände, die Massagesalons haben ihre Liegen auf der Straße ausgebreitet und massieren nun besoffenen jungen Menschen die Füße, in einer Ecke lassen sich Leute auf offener Straße Tattoos stechen, in einer anderen Dreads machen, mindestens 3 Stände bieten offen gefälschte Pässe, Führerscheine, Studentenausweise, deutsche Bahncards und sogar Universitätsabschlüsse für gar nicht mal so viel Geld an…es war irre! Man muss noch nicht einmal Teil dieser besoffenen Masse sein, durchlaufen und staunen reicht für einen abwechslungsreichen Abend. Tipp an diejenigen die demnächst nach Bangkok wollen: Wenn ihr etwas an den Ständen kaufen wollt, geht am nächsten Tag hin. Dieser Teil der Stadt ist bis spätnachmittags ausgestorben und so lassen die Händler sich eher auf humane Preise ein. 


Die nächsten Tage verbrachte ich damit staunend durch Bangkoks Straßen zu laufen, Tempel und Königspalast zu erkunden, mit dem Linienboot auf dem Fluß entlangzuschippern und viel viel viel Streetfood auszuprobieren. Frische Fruchtshakes, Pat Thay, Currys, Spieße, alles schön garniert mit Blumen und Obstspalten…ich kann stolz von mir behaupten jeden Tag mindestens 2 Fruchtshakes getrunken zu haben, in Bangkok wahrscheinlich 5. Ich erspar euch jetzt Touri-details von der Stadt, wer möchte, dem kann ich mal die unzähligen Fotos aller Sehenswürdigkeiten zeigen. Die Highlights: die beeindruckenden Tempel rund um den Königspalast, vom 84. Stock des höchsten Hochhauses Südostasiens die Stadt zu bewundern und einen Abend die Musikszene Bangkoks erkunden. Witzigerweise war ein amerikanischer Freund, den ich über Couchsurfing kennengelernt und mit dem ich eine Weile zusammen auf Koh Rong gearbeitet habe, auch gerade in Bangkok. Er wohnte bei seinem Kumpel, der in Bangkok lebte und beide luden mich ein, mit ihnen auf ein Konzert zu gehen. Es stellte sich heraus, dass dieses Konzert die Jubiläumsfeier einer Party-Veranstaltungsreihe war und dafür eine berühmte thailändische Countrysängerin wieder aus dem Ruhestand erweckt wurde. Es war ein sehr lustiger Abend, wir waren fast die einzigen Westlichen, dafür war viel thailändische Prominenz anwesend, die ich natürlich alle nicht kannte. Aber ich hab ein Foto mit einem (recht gutaussehenden ;)) Nr.1 Sänger ergattert, von dem ich bis jetzt noch kein Lied gehört habe, aber dessen Bild mich seither auf Getränkeplakaten und Wasserflaschen verfolgt.

Am vorletzten Haupstadt-Tag kamen Gunther und Tratzi nach, die sich noch Angkor Wat angeschaut haben, während ich bereits Bangkok erkundete. Wir verabschiedeten Tratzi und flogen nun zu zweit nach Krabi, wo der eigentliche Urlaubsteil der Reise begann. Schickes Bungalow-Resort, lange schöne Strände in der Nähe, unzählige beeindruckende Karstfelsen und Inseln…es war schön. J Eigentlich ist diese Gegend bereits muslimisch geprägt, so dass ein merkwürdiger Kontrast aus freizügiger Bikiniwelt am Strand, lokale Restaurants die keinen Alkohol ausschenken und den Gebetsrufen des Muezzin entsteht. Und das worüber ich die ganze Zeit gegrübelt und gezweifelt habe, trat an meinem vorletzten Tag wirklich ein: Ja, auch Frauen in Burka gehen an den Strand! :D Sie sitzen dann zwar nur im Schatten und wachen über ihre spielenden Kinder, aber immerhin…


Wie immer ist die Zeit viel zu schnell vergangen. Wir haben einen Ausflug in die Bucht von Pha Nang gemacht, wo die berühmtberüchtigte James Bond Insel zu finden ist, haben ein Kajak gemietet und uns auf eine abenteuerliche Paddeltour zu einer kleinen Insel begeben, die irgendwie weiter weg war als erwartet und auf der Gunther sich einen fiesen Sonnenbrand holte, so dass wir die nächsten Tage eher ruhig angehen ließen. An dem letzten gemeinsamen Tag fuhren wir nach Ko Phi Phi, wo ich dann gleich 4 Tage blieb. Ko Phi Phi ist…ein toller Ort um eine schöne Zeit zu verbringen und bis der Touristenboom einschlug war es sicher auch eine wunderschöne Insel. Das Dorf erinnert etwas an Tortuga: ein großer Hafen, viele kleine Holzhäuser und ein geschäftiges Treiben in unzähligen kleinen Gassen. Nur dass die Piratenmeute komplett von feierwütigen Touristen abgelöst wurde und wilde Tattoos höchstens noch unter Kellneruniformen hervorblitzen. Wenn man sich mit buddhistischer Ruhe durch das eigentlich muslimische Dorf treiben lässt und die Touris einfach ausblendet, ist es ein sehr schöner Ort. Absolutes Highlight: Mein Tauch-Ausflug mit 3 Tauchgängen. Beim Ersten haben wir ein 1997 gesunkenes Schiff erkundet, dass beeindruckend und etwas gruslig im Düsterschimmer von 24 m Tiefe nun das zuhause von unzähligen Fischen ist. Witzigerweise ist  es an allen Ecken und Kanten bereits etwas eingefallen, nur die weißen Kloschlüsseln blitzen noch alle blank in einer Reihe aus dem Wrack hervor. Beim zweiten Tauchgang haben wir einen Leopardenhai gesehen, der uns lange und mindestens genauso neugierig beäugt hat, und beim dritten haben wir an einem Anemonenriff viele Seepferdchen gesehen. Die Unterwasserwelt in Thailand ist echt genial! Leider leider waren keine Schildkröten bei meinen Tauchgängen zu sehen, aber ich habe mir schon geschworen wiederzukommen und einmal ausgiebig Tauchurlaub zu machen. Hoffentlich klappts…

Ein weiteres Highlight: Am letzten Tag wollte ich noch einmal etwas Besonderes machen und habe einen halbtägigen Kletterausflug in Railay Beach gebucht. Kann ja nicht sein, dass ich im Klettermekka Urlaub mache und die Karstfelsen bestaune und es dann nicht einmal selbst versuche da hochzukraxeln. Zugegebenermaßen, es war manchmal beängstigend an der Felswand zu hängen und nicht weiterzukommen. Und ich habe definitiv Muskeln gespürt, von deren Existenz ist nicht einmal wusste. Aber oben anzukommen, die Aussicht zu genießen und zu wissen, man ist an einige körperliche Grenzen gestoßen und hat es trotzdem geschafft…das war ein Adrenalinschub, der sicherlich süchtig machen kann. Insofern fühlt sich auch mein Muskelkater jetzt eher wie eine Belohnung an…mal sehen, ob ich das nach meinem 12 Stunden Flug immer noch sage. ;)


Nun gut, noch 3 Stunden bis zu meinem nächsten Flug…einziger Trost in der Langeweile ist, dass ich in 28 Stunden daheim bin und wenn ein halbes Jahr so schnell vergehen kann, sollte das für einen langen Reisetag auch kein Problem sein. Die letzten 6-7 Monate waren unglaublich und haben einiges für mich und in mir geändert. Aber ich glaube nun ist eine gute Zeit zu gehen, schon allein weil der erste langersehnte Monsunregen hier gerade niederprasselt und die 35 Grad und 60% Luftfeuchtigkeit langsam aber sicher in 40 Grad und 90% Luftfeuchtigkeit verwandeln wird.



Außerdem, wenn ich nicht wiederkomme, kann ich ja auch nicht wieder wegfahren…;)



Friday, March 29, 2013

Laos and islands...lots of islands...



Ist es wirklich erst zwei Wochen her, seit ich das letzte Mal geschrieben habe? Es ist so viel passiert, dass ich damit auch locker einen Monat hätte füllen können.

Wieder einmal sitze ich nun in einem Coffeeshop, diesmal in Krabi (Süd-Thailand) im Flughafen und warte auf meinen Flug nach Bangkok. Recht verwirrend, denn da kam ich gerade erst vor einer Stunde her, aber wenn Lufthansa zu unflexibel ist um einen Flug zu stornieren ohne 700 Dollar Tarifausgleich zu verlangen, dann ist es halt günstiger einen Abstecher über Krabi zu machen…muss man nicht verstehen, ich sehe Thailand zweimal mehr als notwendig von oben und Klimawandel und Greenpeace mögen es mir verzeihen.
Laos…Laos war genial! Sehr viel entspannter als Kambodscha, friedlicher, ländlicher, wunderschöne im Moment von der Trockenzeit ausgedörrte Natur, weniger chaotische Straßen, es gab wieder braune Kühe, selbst Dörfer hatten Stromleitungen und es gab die Berge, die ich ab und zu in Kambodscha vermisst habe. Und jeder strahlte einen mit einem breiten „Sabaidiiiieee“, was eine der fröhlichsten Begrüßungsfloskeln ist die ich bisher gehört habe. Oh, und es war heiß…sehr heiß. Einmal zeigte der Wetterbericht 42 Grad an, was dank Luftfeuchtigkeit allerdings gefühlte 46 Grad waren. Leider musste ich gleich am ersten Abend mir den Bauch mit Laos-Spezialitäten vollschlagen (sehhr viel Koriander und Zitronengras…), was mir ein paar unangenehme Nächte auf dem Allerheiligtum beschert hat. Da ich allerdings am 3.Tag Laos Gunther und Tratzi treffen wollte und wir ein straffes Reiseprogramm geplant hatten, heilte ich mich selbst mit (Mediziner überlest das mal…) einer Überdosis gefakter Loperamidtabletten aus einer kleinen laotischen Apotheke, bis es besser wurde. Glücklicherweise hat das auch wirklich funktioniert. Die Laos-Küche hat mich allerdings als Fan verloren, schon allein weil ich kein Koriander mehr sehen kann. 


Leider hat mich dies auch um das berühmt-berüchtigte Tubing in VangVieng gebracht. Man stelle sich ein kleines beschauliches Örtchen am Fluss vor, umgeben von atemberaubenden Karstfelsformationen. Und auf diesem Fluss eine Menge westlicher Jugendliche auf großen Autoreifen, die entlangtreiben, sich mit Seilen übers Wasser baumeln lassen und trinken…viel trinken. Da die Bars und Partystationen entlang der Tubingstrecke allerdings vor einem halben Jahr dicht gemacht haben, da zu vielen nicht klar war, dass man unter Alkohol- und MagicMushroom-Einfluss nicht mehr schwimmen kann, vor allem nicht im Regenzeit-Hochwasser, war eh nicht mehr so viel los. Für einen Motorradausflug (mein erstes Mal auf einem Motorrad!!!) ins Karstgebirge um schöne tiefe Höhlen zu erkunden, in denen sich auch gut und gerne Gollum wohlgefühlt hätte, hats allerdings gereicht.


Nach Vang Vieng ging es wieder zurück nach Vientiane und von da an waren wir zu dritt unterwegs. Da wir nur zwei Wochen für den Süden von Laos und Kambodscha Zeit hatten, ging es auch relativ zügig in zum Glück meist offenen Bussen voran, damit wir so viele schöne Orte wie möglich mitnehmen können. Und es hat sich gelohnt! Laos ist ein wirklich schönes Land. Wir sind mit dem Boot durch Kong Lor, eine 7 km lange Höhle gefahren, 2 Tage mit dem Motorrad übers Bolaven Plateau, entlang von Kaffeeplantagen und Wasserfällen, nach Champasak zum „Angkor Wat von Laos“, und haben auf den 4000 Inseln 2 Tage versucht die Hitze zu ignorieren und stattdessen die Mekongfälle besichtigt und an der Flussgrenze zu Kambodscha versucht die Irrawady-Delfine zu beobachten – einen haben wir gesehen und sonst zwei fast schon wieder im Wasser verschwundene Rücken. Ihnen war wahrscheinlich auch zu warm. Nebenbei hatten wir auch einige abenteuerliche Reiseabschnitte. Die Minibusse glichen in Laos eher Transportern mit überdachter Ladefläche und zwei schmalen langen Pritschen auf die jeweils 5 Mann gepasst haben. Der Vorteil: man hatte viel kühlenden Fahrtwind und es machte viel Spaß sich hinten auf die Ablagefläche zu stellen und Fahrtwind und Panoramablick zu genießen. Der Nachteil: Wenn ein tropenartiger Regen los geht ist man pitschnass. Nach einer solchen Regenfahrt kamen wir nachmittags am Busbahnhof an und entschieden spontan nicht erst auf den Nachtbus zu warten, sondern gleich in den zu springen, der gleich abfahren wollte. Im Endeffekt kamen wir so nachts um 3 im schlafenden Pakse an. Während die Hälfte unserer Reiserunde vorm billigsten Hostel auf der Straße sitzen blieb und warten wollte, bis jemand wach war, nutzen wir gleich die Chance einen Tag zu gewinnen und steuerten ein gutes Hotel an (das einzige was scheinbar noch offen war), und hatten erholsame aber vergleichsweise teure 5 Stunden Schlaf. Ein weiterer unvergesslicher Reisemoment war die Fahrt zu den 4000 Inseln. Wir wurden von Champasak aus mit dem Tuktuk/Minibus zur Fähranlegestelle gebracht, wo ein kleines Floß (ein paar Holzbretter getragen von zwei Fischerkajaks) auf uns wartete, dass gerade so uns, unsere Taschen, ein Motorrad und eine alte Frau tragen konnte. Vom anderen Ufer aus ging es wieder mit dem Tuktuk/Minibus bis zu einer größeren Weggabelung, von der aus wir angeblich Busse anhalten konnten. Nun ging die Wartezeit bei 40 Grad los, im Schattenplatz eines kleinen Imbissladens, in dem sonst niemand war, nur immer mal aufspringen wenn ein Bus ankam. Ich fühlte mich zeitweise abenteuerlich wie Hemingway, fehlte nur noch der Schnaps und Berge am Horizont…aber die Busse hielten nicht an. Als ich langsam verzweifelt versuchte einen überfüllten Minibus anzuhalten, der allerdings woanders hinfuhr, wurde ein Lexus auf uns aufmerksam. Dazu muss man sagen, hier gibt es keine 0-8-15 Autos. Entweder fetter Jeep oder gar nix. Drin saß eine nette Familie auf dem Weg zu den 4000 Inseln zum Wochenendurlaub, die Gepäck, Gunther und Tratzi auf die Ladefläche gepackt haben und mich mit der Frau und zwei schlafenden Kindern auf der Rückbank sitzen ließ. Und schon ging es im rasanten Tempo bis zum Ziel. Was für ein Glück und nebenbei konnte ich auch noch einiges über das Leben in Laos in Erfahrung bringen. Besonders nachdem herauskam, dass ich aus dem sozialistischen Osten stamme, der scheinbar einigen gleichgesinnten Freunden der Familie ein Studium in Deutschland ermöglicht hatte, war genug Gesprächsstoff da. ;)


Nach den Inseln ging es mit kurzem Zwischenstopp in Phnom Penh, während dem die beiden Stadtbesichtigung gemacht haben und ich mich von einem blinden „Seeing Hands“-Masseur durchkneten ließ, ging es zur nächsten Insel. Dreimal dürft ihr raten….Koh Rong! Hab ich ein Glück dass meine zwei Reisegefährten auch die Tropeninselseite von Kambodscha sehen wollte. So hatte ich noch einmal die Chance zurückzufahren. Und die Überraschung auf Seiten meiner Inselbewohner war groß. Ich wurde erst einmal von einem lauten Quietschen meiner lieben kambodschanischen Kolleginnen begrüßt. Es war irgendwie surreal wieder dort zu sein und das Inselleben als Tourist mitzubekommen. Ein Teil meiner Arbeitskollegen sind bereits wieder abgereist, so dass mich nun fremde Gesichter bedient haben, die einige neugierige Blicke drauf hatten, dass ich so vertraut mit den Kambodschanern und Barkeepern umgehe. Aber es war sehr schön alle wiederzusehen und am Strand zu entspannen. Zumal wir eine sehr schöne Hütte an einer ruhigeren Lagune hatten.   Der Abschied war wieder unglaublich schwer. Eine Freundin und ein ehemaliger Arbeitskollege standen am Strand und wollten mich nicht aufs Boot lassen…ich wäre ja wirklich gern dort geblieben.
Aber es muss ja auch irgendwie weitergehen. Gestern Abend hatten wir 3 noch ein schönes Abendessen im noblen Titanic Restaurant in Phnom Penh und nun kommen erst einmal zwei Tage allein in Bangkok, während die beiden Siem Reap und die Tempel erkunden. Danach treffen wir uns wieder und Gunther und ich fahren nach Krabi. Tauchen, klettern, schnorcheln…ich freu mich drauf! J

Thursday, March 14, 2013

I saw Nemo!



Und das wars auch schon mit meinem Leben als Robinson Crusoe. Unfassbar wie schnell die Zeit rennt und wie sehr einem ein Ort ans Herz wächst, so dass ich jetzt mit Insel-Heimweh in Phnom Penh sitze und sooo gern einfach wieder zurückfahren würde. Vielleicht besuche ich die Insel in zwei Wochen noch einmal…mal schaun…Das traurige ist, dass es selbst an den schönsten Orten der Welt  immer die Menschen sind, die dein Zuhause-auf-Zeit so besonders machen. Doch selbst wenn ich zurückfahre, die Cocos Familie wird nicht mehr dieselbe sein, da die meisten davon ebenfalls weiterreisen und die Chancen sind klein, dass wir uns noch einmal wiedersehen. Würde es mit anderen so viel Spaß machen, eine Bar als Wohnzimmer zu haben? Vielleicht, aber es wäre nicht dasselbe…


So, zu den Ereignissen der letzten Wochen. Eindeutiges Highlight:  Ich habe meinen Open Water Dive Kurs gemacht! Ich habe jetzt offiziell den Schein, um überall auf der Welt Tauchausrüstung zu leihen und damit ins Wasser zu springen und mir die Welt der Fische anzuschauen…ist das nicht toll? :D Nach meinen ersten zwei Tauchgängen war ich allerdings erstmal frustriert. Meine Haut hat mit einer netten allergischen Reaktion gegen das Salzwasser protestiert, die Flossen vertrugen sich nicht mit den vielen Sandflohbissen an meinen Füßen und ich lag die nächsten zwei Tage mit Fieber, Halsschmerzen und Selbstmitleid auf der Dachterrasse…krank sein im Paradies macht keinen Spaß, noch weniger als Zuhause. Ich hab lange mit mir gerungen, ob ich den Kurs wirklich beenden möchte. Aber letzten Endes hat der Gedanke an die bereits gezahlte Kursgebühr  und dass ich für die Strapazen doch wenigstens auch den Schein in der Hand halten möchte, gesiegt – und es hat sich so gelohnt! Für den nächsten Tauchgang waren 4 Tauchgänge angesetzt, alle an verschiedenen Orten, von denen einer schöner als der andere war. Es ist wirklich eine völlig andere Welt da unten. Es ist als ob Gott, Allah, Zufall oder wer auch immer mit seiner Fantasie durchgegangen ist und sehen wollte, wieviele Formen und Farbmuster er sich ausdenken kann. Leuchtend neon blau, gepunktet, gestreift, aufrecht schwimmend, rosa Nemos in rosa Anemonen...Und das tolle ist, dass diese Welt (fast) völlig unabhängig von uns Landgängern existiert. Er ist fast als ob die großen Baracudas uns Tauchern einen schrägen Seitenblick zu werfen „What are you looking at? I existed long before your kind…“
Der atemberaubendste Moment war, als mein Tauchbuddy es geschafft hatte, in einen Seeigel zu fassen und wir eine Pause einlegen mussten, in der unser Tauchlehrer versuchte, die Stachel wieder aus seinem Finger zu ziehen. In wenigen Minuten waren wir von hunderten silbernen Fische umgeben, die uns neugierig umkreisten. Die anderen beiden waren mit den Stacheln beschäftigt, so dass ich ein Stück nach oben schwamm und mitten im Fischschwarm war, bis sie nach ein paar Minuten das Interesse an uns verloren und weiterzogen. Tauchen ist fantastisch, man sieht so schöne Dinge. Allein das Glitzern der Sonne in unseren Luftblubberblasen, wenn wir beim Aufsteigen nur noch wenige Meter von der Oberfläche entfernt sind…ich hoffe ich habe in Thailand noch einmal die Gelegenheit dazu.


Der Abschied von der Insel fiel mir unheimlich schwer. Ich bekam von den ganzen erfahrenen Langzeit-Backpackern amüsant-mitleidige Blicke zugeworfen, als ich am Pier meine zwei Chefs umarmte und die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Es war so ein schöner sorgenfrei entspannter Monat, ein Ort an dem man einfach glücklich sein muss. Und sollte es mich wieder dahin verschlagen, in einigen Jahren, wird niemand meiner Freunde mehr dort sein, sondern nur ein großes Luxusresort für Stinkreiche und ein verdammter Flughafen. Kann man sich das vorstellen, ein Flughafen dort wo es jetzt nicht einmal Straßen gibt, nur Trampelpfade durch den Tropenwald. Reich und geschäftstüchtig ist ja schön und gut, aber um die Welt zu ziehen und jeden schönen Ort zu verhunzen geht ein bisschen weit…


Jetzt sitze ich in Phnom Penh in einem Coffee House und fahr gleich zum Flughafen, um nach Laos zu fliegen. Der nächste Teil der Reise geht los! Gestern war ich mit meinen ehemaligen Mitbewohnern noch was trinken und den neusten Klatsch auszutauschen. Hab sie vermisst, vor allem meine Französin. Haben uns für diesen Sommer Barcelona vorgenommen, hoffentlich klappt es. Heute war ich dann noch einmal in meiner Schule und hab für eine Stunde den Englischunterricht von Teacher Sokha auf den Kopf gestellt. Wobei der Versuch Englischspiele zu spielen schnell scheiterte, weil alle aufsprangen und gedrückt werden wollten…es war so süß! Es war gut alle nochmal wiederzusehen, lässt mich irgendwie beruhigter weiterreisen. Die Kinder sahen, dass ich nicht für immer gehe, sondern sie jederzeit wieder besuchen könnte, und ich weiß, dass ich in Phnom Penh immer Menschen haben werde, die ich besuchen kann und die froh sind mich wiederzusehen.

Nun gut, auf zum Flughafen…mal sehen wie spannend die Visa-Beantragung von einem korrupten Land ins nächste wird. ;)

Tuesday, February 26, 2013

First Birthdays and Nomadic Families



Ich werde die vielleicht einmalige Chance stabiles Internet auf meinem Laptop zu haben einmal nutzen, um mich mal wieder zu Wort zu melden und versuchen ein paar Fotos hochzuladen. Diese Insel ist einfach zu genial um euch die Bilder vorzuenthalten. Das Leben hier ist entspannt und abgesehen von Moskitostichen, Hautirritationen von zu viel Salzwasser und Sandflöhen und chronische Müdigkeit kann man es als Paradies bezeichnen. Nicht kann hundertprozentig perfekt sein und ich sehe es einfach mal als Glück, dass Haut- und Moskitostiche mein Minus hier sind…es könnte schlimmer sein. ;) Leider geht es sehr vielen wie mir, so dass die Insel langsam aber sicher aus allen Nähten platzen wird. Noch ist alles klein und rustikal, das Bungalow Resort in dem ich arbeite war das Erste auf der Insel und feierte vor zwei Tagen seinen 1. Jahrestag. Ohhh, meine Chefs wissen wie man eine Party feiern muss, es fehlte an nichts....Wir haben es uns den Vormittag über im Tauchschul-Raum bequem gemacht und gefühlte 1000 Luftballons mit den Taucher-Gasflaschen aufgeblasen. Die jüngste der Nomadenfamilie hat uns geholfen am Ende alle zusammenzubinden, so dass wir mit einer riesigen Schlange Luftballons über den Pier zur Bar laufen mussten, um dort alle wieder zu entfitzen. Wir mussten alle bis zu einem bestimmten Punkt der Party arbeiten, aber danach gabs Freigetränke. Keine gute Idee :) Irgendwann nachts um 4 sind mein israelischer Zimmergensse und ich dann in die Küche eingebrochen und haben ein nächtliches Chaos mit Baguetteresten, Schokoladensoße und Erdnussbutter angerichtet. Als die Taschenlampe unseres Chefs dann aufblitzte dachten wir, wir sind in ernsthaften Schwierigkeiten (war schließlich sein Schlüssel, den wir dafür geklaut haben). Aber er hat sich einfach nur dazugesellt und mitgegessen :)
 

Meine Lieblings-Kollegin. Sie macht die besten Ice Coffees :)








Cocos Bar und unsere Partydekos :)






 















Aber jeden Monat kommt ein neues Hostel hinzu, Touristen schlafen notbedürftig und abenteuerlustig in Fischerbooten und mitgebrachten Hängematten aufgrund von Bettenmangel und die Gerüchte, dass einige reiche Kambodschaner und Russen die Insel aufgekauft haben und nun zum Luxusresort umbauen wollen, scheinen leider wahr zu sein, denn den Dorfbewohnern wurde bereits Geld für eine Umsiedlung angeboten. Was sie abgelehnt haben und nun warten alle ängstlich gespannt auf die Reaktion der Regierung, wenn sie davon Wind bekommt. Selbst hier auf der Insel spürt man die Anspannung, wenn eine Regierungskontrolle kommt und sei es nur aus banalen Gründen. Es ist traurig, wenn man Angst vor seiner eigenen Regierung haben muss, geschweige denn nicht darauf bauen kann, dass sie einen schützt.



BBQ, der süße kleine noch-Welpe von Cocos
Von meiner kleinen Rosa-Paradies-Blubberblase gibt es nicht viel Neues zu berichten. Meine Kanadier und Amerikaner sind wieder abgereist, jetzt habe ich eine nette große Gruppe aus Israelis und Türken um mich herum. Der Zusammenhalt zwischen Menschen dieser zwei Nationalitäten untereinander ist so groß und richtig toll mitzuerleben. Israelis finden sich hier auf der Insel sofort (und wahrscheinlich an jedem anderen Fleck der Welt auch) und helfen einander mit allem, egal ob es um Essen, Unterkunft oder Jobsuche geht. Gerade sitze ich im Kreis meiner Lieblingsisraelis, die Eltern der Nomadenfamilie machen Videoblogeinträge, eins ihrer Kind klimpert auf der Ukulele, während mein israelischer Zimmergenosse und Mitarbeiter, der vom Moment unseres Kennenlernens zu meinem besten Insel-Freund hochgeschnipst ist, neben mir sitzt und mir mein Abendbrot (Pasta Tuna) wegfuttert. Es hängt eine leicht melancholische Stimmung in der Luft, da wir vor wenigen Stunden ein paar guten Freunden aus Kanada, England und Irland Lebewohl sagen mussten. Wir hatten ein paar schöne Tage zusammen, Speerfischen (ich bin zu blöd für…), im Plankton schwimmen (stellt euch vor ihr schwimmt im stockdustern im Meer und das Wasser um euch herum fängt an zu leuchten…unglaublich!) und wir sind mit der Nomadenfamilie zusammen durch einen abenteuerlichen Dschungel gewandert, haben uns an Seilen steile Hänge heruntergehangelt und kamen an einem wunderschönen einsamen 7km Strand heraus. Es ist seltsam und gehört doch zum Reiseleben dazu, dass du für wenige Tage Menschen um dich herum hast, die sofort zu deinen besten Freunden hier werden. Du lernst sie wahrscheinlich besser und doch von einer völlig anderen Seite kennen, als du es im normalen Alltag tun würdest, und trotzdem oder gerade deshalb fühlt man sich für einige Tage unglaublich verbunden, Familie- und Freundeskreis auf Zeit, bis sich die Reisewege wieder trennen und man nicht weiß, ob man sich überhaupt je wieder sieht. Ich stand in den zwei Wochen bereits 3mal auf dem Pier und hab der Fähre Richtung Festland wehmütig hinterher gewunken . Doch bevor man großartig melancholisch werden kann, kommen auch schon wieder die nächsten an, gerade ist eine Gruppe netter Kanadier eingetroffen die jetzt als Kellner Probearbeiten. 


Über die Nomadenfamilie muss ich wahrscheinlich auch mal einen längeren Eintrag schreiben. Diese 5 Menschen und ihr Leben sind so inspirierend für jeden der sie kennenlernt, du wirst buchstäblich von ihrer Lebensfreude und Offenheit angesaugt und willst am liebsten mit ihnen mitreisen. Gaby und Kobi haben mit Anfang 40 und 3 Kindern (jetzt 8,9 und 11) ihrem normalen Leben in Israel den Rücken gekehrt und reisen nun schon seit 3 Jahren durch die Gegend. Sie unterrichten ihre Kinder selbst, aber in so einer erstaunlichen Art und Weise dass ich meine Hand ins Feuer legen würde, dass die Kinder mehr auf dem Kasten haben als alle ihre Altersgenossen. Und nebenbei können sie durch ihre Reisen neben hebräisch auch englisch und spanisch sprechen und lernen durch ihre gleichaltrigen Freunde auf der Insel hier nun auch kambodschanisch. Es muss ein tolles wildes Leben sein und gleichzeitig lernen sie so viel. Und die beiden, Cobi und Gabi, sind selbst so neugierig auf alles Neue und jeden neuen Menschen in ihrem Leben, dass man das Gefühl hat man sammelt mehr neue Eindrücke und Erfahrungen an einem gemeinsam verbrachten Abend. Die 5 leben zur Zeit in einem kleinen Haus auf dem Pier und wir haben schon einige Nächte auf dem Holzsteg verbracht, mit einer Gitarre in der Runde und vielen schönen Geschichten und Liedern aus Israel, Italien, Australien, Deutschland und woher auch immer gerade die Anwesenden kommen. Ich glaube, wenn jeder ihre Art Freunde zu gewinnen übernehmen würde, wäre die Welt ein besserer Ort. Hier ist die Webseite der Familie und ihre Facebook Seite, falls jemand interessiert ist und in deren Leben reinschnuppern möchte:



www.thenomadicfamily.com
 https://www.facebook.com/pages/The-Nomadic-Family/219064278150784?ref=ts&fref=ts

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