Big city
life und Burkas am Strand
Und nun ist es soweit, die Zeit zur Realität zurückzukehren
hat es letztendendes doch geschafft mich (schweißgetränkt und keuchend, aber
zielsicher) einzuholen und so sitze ich, wieder einmal und zum letzten Mal für
dieses Abenteuer, am Flughafen und warte…und
warte. Ist es wirklich schon soweit? Hab ich nicht irgendetwas noch vergessen?
Und jetzt fallen mir all diese anderen tollen Orte ein, die mich von der
Abflugstafel aus anlächeln und nur darauf warten entdeckt zu werden, aber
eigentlich freue ich mich erst einmal darauf nach Hause zu kommen. Das Reisen
mit zwei deutschen Freunden hatte den Vorteil, dass ich mich langsam wieder auf
Deutschland einstellen konnte und spätestens (wieder) allein am Strand in Ko
Phi Phi, umgeben von Touristenschwärmen, war mir klar: Jetzt reichts erstmal, ich
bin wieder bereit für kalte graue, aber klare Luft, richtigen Kaffee auf Mamas
Terrasse, meine Geschwister knuddeln, mit dem Fahrrad durch Leipzigs Straßen
und Parks zu fahren, meine Freunde, WG und sogar mal wieder in der Unibibo
sitzen und etwas hochtrabend Intellektuelles lesen. Und da ich fest davon
überzeugt bin dem Winter dieses Jahr entgangen zu sein, habe ich mit einem
Freund eine Wette abgeschlossen, dass das Thermometer es innerhalb einer Woche,
nachdem ich daheim angekommen bin, schafft auf 20 Grad hochzukraxeln. Sehr
optimistisch, aber irgendwie muss man sich ja an ein bisschen Hoffnung
klammern.
Auch wenn ich mich innerlich schon langsam wieder auf
Deutschland eingestellt habe, der letzte Reiseabschnitt Thailand war ebenso
genial, wie der erste Teil meiner Reise. Während mir Laos in vielen Dingen eher
wie ein ländlicheres Kambodscha vorkam, scheint sich Thailand doch sehr von den
beiden zu unterscheiden. Wesentlich besser entwickelt, wesentlich
touristischer, ein ganzes Stückchen teurer und trotzdem hat es noch etwas
dieser kunterbunt-fröhlich-gastfreundlich chaotischen Ausstrahlung
Südostasiens. Auch hier sind die Menschen sehr freundlich und höflich, aber
sehr viel mehr am Westen orientiert (zumindest in den touristischen Orten, die
ich gesehen habe) und dadurch moderner. Frauen scheinen sehr viel mehr
Freiheiten zu haben, kleiden sich öfter westlich-leger, zum ersten Mal sehe ich
auch junge Asiatinnen mit Kurzhaarschnitten und es ist bei erstaunlich vielen
auf den ersten Blick gar nicht so einfach zu sagen, ob sie nun Frau oder Ladyboy
sind.
Vor allem in Bangkok fielen mir diese Freiheiten auf. Aber
wo, wenn nicht in Bangkok? Diese Stadt ist der Wahnsinn! Mir wurde vor Beginn
meiner Reise gesagt „you either love or hate it“ und so bin ich sehr neugierig,
aber ohne größere Erwartungen an meine 5 Nights in Bangkok herangegangen. Und
trotz dass sie mich an meinem ersten Abend mit einem lauten Neonlicht-zu viele
Menschen-Schlag ins Gesicht überwältigt hat, ist es eine der schönsten
interessantesten Städte in der ich je war.
Am ersten Abend, der Tag des letzten Blogeintrags, kam ich
zunächst völlig fertig kurz vor Mitternacht am Flughafen an. Die günstigen
Busse fuhren nicht mehr, so dass ich einen Zug bis zur Endstation, Phaya Thay,
nahm. Von dort aus sollte ich ein Taxi bis zur Unterkunft nehmen. Nur hielt
keins…selbst als ich die Heranwink-Taktik der Thais um mich herum übernahm. Als
dann endlich welche hielten, weigerten sie sich nach Taximeter zu fahren und
nannten mir stattdessen Preise, von denen selbst ich Bangkok-Neuling wusste,
dass sie völlig überteuert waren. Letztenendes gab ich nach und handelte beim
5. No-Taximeter den günstigsten Preis
aus, zu dem er sich herabließ (immer noch überteuert) und ließ mich zur
Unterkunft fahren. Jaaa…ich hätte es wissen müssen. Man sollte misstrauisch
werden, wenn Aircon-Einzelzimmer mit eigenem Bad im Touri-Zentrum genauso viel
kosten, wie anderswo Dormzimmer. Günstig war es…nur die Review eines anderen
Gastes (die ich natürlich erst nach Check In gelesen habe), dass es einer
Thai-Gefängniszelle gleichen würde, kann ich bestätigen. Nun gut, die indischen
Männer, die auch das Shisha-Restaurant dass zum Hostel gehörte betrieben, waren
sehr nett und meine Tür ließ sich gut verriegeln, so dass ich mir zumindest
keine Sorgen um meine Sicherheit machte. Da ich es sowieso nicht lange in
diesem Zimmer aushielt, erkundete ich noch in dieser Nacht die nahe Khao San
Road, Vergnügungsmeile für Backpacker, Pub Street tausendmal extremer, ein Ort
an dem wirklich alles zu bekommen ist, was einem verrückten Backpacker so
einfallen könnte. Von überall her trönt laute Musik, Leuchtschilder und Neonlicht
türmen sich an den Hauswänden, vor den Bars, Clubs und Hostels reihen sich
Streetfood- und Klamottenstände, die Massagesalons haben ihre Liegen auf der
Straße ausgebreitet und massieren nun besoffenen jungen Menschen die Füße, in
einer Ecke lassen sich Leute auf offener Straße Tattoos stechen, in einer
anderen Dreads machen, mindestens 3 Stände bieten offen gefälschte Pässe,
Führerscheine, Studentenausweise, deutsche Bahncards und sogar
Universitätsabschlüsse für gar nicht mal so viel Geld an…es war irre! Man muss
noch nicht einmal Teil dieser besoffenen Masse sein, durchlaufen und staunen
reicht für einen abwechslungsreichen Abend. Tipp an diejenigen die demnächst
nach Bangkok wollen: Wenn ihr etwas an den Ständen kaufen wollt, geht am
nächsten Tag hin. Dieser Teil der Stadt ist bis spätnachmittags ausgestorben
und so lassen die Händler sich eher auf humane Preise ein.
Die nächsten Tage verbrachte ich damit staunend durch
Bangkoks Straßen zu laufen, Tempel und Königspalast zu erkunden, mit dem
Linienboot auf dem Fluß entlangzuschippern und viel viel viel Streetfood
auszuprobieren. Frische Fruchtshakes, Pat Thay, Currys, Spieße, alles schön
garniert mit Blumen und Obstspalten…ich kann stolz von mir behaupten jeden Tag
mindestens 2 Fruchtshakes getrunken zu haben, in Bangkok wahrscheinlich 5. Ich
erspar euch jetzt Touri-details von der Stadt, wer möchte, dem kann ich mal die
unzähligen Fotos aller Sehenswürdigkeiten zeigen. Die Highlights: die
beeindruckenden Tempel rund um den Königspalast, vom 84. Stock des höchsten
Hochhauses Südostasiens die Stadt zu bewundern und einen Abend die Musikszene
Bangkoks erkunden. Witzigerweise war ein amerikanischer Freund, den ich über
Couchsurfing kennengelernt und mit dem ich eine Weile zusammen auf Koh Rong
gearbeitet habe, auch gerade in Bangkok. Er wohnte bei seinem Kumpel, der in
Bangkok lebte und beide luden mich ein, mit ihnen auf ein Konzert zu gehen. Es
stellte sich heraus, dass dieses Konzert die Jubiläumsfeier einer
Party-Veranstaltungsreihe war und dafür eine berühmte thailändische
Countrysängerin wieder aus dem Ruhestand erweckt wurde. Es war ein sehr
lustiger Abend, wir waren fast die einzigen Westlichen, dafür war viel
thailändische Prominenz anwesend, die ich natürlich alle nicht kannte. Aber ich
hab ein Foto mit einem (recht gutaussehenden ;)) Nr.1 Sänger ergattert, von dem
ich bis jetzt noch kein Lied gehört habe, aber dessen Bild mich seither auf
Getränkeplakaten und Wasserflaschen verfolgt.
Am vorletzten Haupstadt-Tag kamen Gunther und Tratzi nach,
die sich noch Angkor Wat angeschaut haben, während ich bereits Bangkok
erkundete. Wir verabschiedeten Tratzi und flogen nun zu zweit nach Krabi, wo
der eigentliche Urlaubsteil der Reise begann. Schickes Bungalow-Resort, lange
schöne Strände in der Nähe, unzählige beeindruckende Karstfelsen und Inseln…es
war schön. J
Eigentlich ist diese Gegend bereits muslimisch geprägt, so dass ein
merkwürdiger Kontrast aus freizügiger Bikiniwelt am Strand, lokale Restaurants
die keinen Alkohol ausschenken und den Gebetsrufen des Muezzin entsteht. Und
das worüber ich die ganze Zeit gegrübelt und gezweifelt habe, trat an meinem
vorletzten Tag wirklich ein: Ja, auch Frauen in Burka gehen an den Strand! :D
Sie sitzen dann zwar nur im Schatten und wachen über ihre spielenden Kinder,
aber immerhin…
Wie immer ist die Zeit viel zu schnell vergangen. Wir haben einen
Ausflug in die Bucht von Pha Nang gemacht, wo die berühmtberüchtigte James Bond
Insel zu finden ist, haben ein Kajak gemietet und uns auf eine abenteuerliche
Paddeltour zu einer kleinen Insel begeben, die irgendwie weiter weg war als
erwartet und auf der Gunther sich einen fiesen Sonnenbrand holte, so dass wir
die nächsten Tage eher ruhig angehen ließen. An dem letzten gemeinsamen Tag
fuhren wir nach Ko Phi Phi, wo ich dann gleich 4 Tage blieb. Ko Phi Phi ist…ein
toller Ort um eine schöne Zeit zu verbringen und bis der Touristenboom
einschlug war es sicher auch eine wunderschöne Insel. Das Dorf erinnert etwas
an Tortuga: ein großer Hafen, viele kleine Holzhäuser und ein geschäftiges
Treiben in unzähligen kleinen Gassen. Nur dass die Piratenmeute komplett von feierwütigen
Touristen abgelöst wurde und wilde Tattoos höchstens noch unter
Kellneruniformen hervorblitzen. Wenn man sich mit buddhistischer Ruhe durch das
eigentlich muslimische Dorf treiben lässt und die Touris einfach ausblendet,
ist es ein sehr schöner Ort. Absolutes Highlight: Mein Tauch-Ausflug mit 3
Tauchgängen. Beim Ersten haben wir ein 1997 gesunkenes Schiff erkundet, dass
beeindruckend und etwas gruslig im Düsterschimmer von 24 m Tiefe nun das
zuhause von unzähligen Fischen ist. Witzigerweise ist es an allen Ecken und Kanten bereits etwas
eingefallen, nur die weißen Kloschlüsseln blitzen noch alle blank in einer
Reihe aus dem Wrack hervor. Beim zweiten Tauchgang haben wir einen Leopardenhai
gesehen, der uns lange und mindestens genauso neugierig beäugt hat, und beim
dritten haben wir an einem Anemonenriff viele Seepferdchen gesehen. Die
Unterwasserwelt in Thailand ist echt genial! Leider leider waren keine
Schildkröten bei meinen Tauchgängen zu sehen, aber ich habe mir schon
geschworen wiederzukommen und einmal ausgiebig Tauchurlaub zu machen.
Hoffentlich klappts…
Ein weiteres Highlight: Am letzten Tag wollte ich noch
einmal etwas Besonderes machen und habe einen halbtägigen Kletterausflug in Railay
Beach gebucht. Kann ja nicht sein, dass ich im Klettermekka Urlaub mache und
die Karstfelsen bestaune und es dann nicht einmal selbst versuche da
hochzukraxeln. Zugegebenermaßen, es war manchmal beängstigend an der Felswand
zu hängen und nicht weiterzukommen. Und ich habe definitiv Muskeln gespürt, von
deren Existenz ist nicht einmal wusste. Aber oben anzukommen, die Aussicht zu
genießen und zu wissen, man ist an einige körperliche Grenzen gestoßen und hat
es trotzdem geschafft…das war ein Adrenalinschub, der sicherlich süchtig machen
kann. Insofern fühlt sich auch mein Muskelkater jetzt eher wie eine Belohnung
an…mal sehen, ob ich das nach meinem 12 Stunden Flug immer noch sage. ;)
Nun gut, noch 3 Stunden bis zu meinem nächsten Flug…einziger
Trost in der Langeweile ist, dass ich in 28 Stunden daheim bin und wenn ein
halbes Jahr so schnell vergehen kann, sollte das für einen langen Reisetag auch
kein Problem sein. Die letzten 6-7 Monate waren unglaublich und haben einiges
für mich und in mir geändert. Aber ich glaube nun ist eine gute Zeit zu gehen,
schon allein weil der erste langersehnte Monsunregen hier gerade niederprasselt
und die 35 Grad und 60% Luftfeuchtigkeit langsam aber sicher in 40 Grad und 90%
Luftfeuchtigkeit verwandeln wird.
Außerdem, wenn ich nicht wiederkomme, kann ich ja auch nicht
wieder wegfahren…;)