Thursday, March 14, 2013

I saw Nemo!



Und das wars auch schon mit meinem Leben als Robinson Crusoe. Unfassbar wie schnell die Zeit rennt und wie sehr einem ein Ort ans Herz wächst, so dass ich jetzt mit Insel-Heimweh in Phnom Penh sitze und sooo gern einfach wieder zurückfahren würde. Vielleicht besuche ich die Insel in zwei Wochen noch einmal…mal schaun…Das traurige ist, dass es selbst an den schönsten Orten der Welt  immer die Menschen sind, die dein Zuhause-auf-Zeit so besonders machen. Doch selbst wenn ich zurückfahre, die Cocos Familie wird nicht mehr dieselbe sein, da die meisten davon ebenfalls weiterreisen und die Chancen sind klein, dass wir uns noch einmal wiedersehen. Würde es mit anderen so viel Spaß machen, eine Bar als Wohnzimmer zu haben? Vielleicht, aber es wäre nicht dasselbe…


So, zu den Ereignissen der letzten Wochen. Eindeutiges Highlight:  Ich habe meinen Open Water Dive Kurs gemacht! Ich habe jetzt offiziell den Schein, um überall auf der Welt Tauchausrüstung zu leihen und damit ins Wasser zu springen und mir die Welt der Fische anzuschauen…ist das nicht toll? :D Nach meinen ersten zwei Tauchgängen war ich allerdings erstmal frustriert. Meine Haut hat mit einer netten allergischen Reaktion gegen das Salzwasser protestiert, die Flossen vertrugen sich nicht mit den vielen Sandflohbissen an meinen Füßen und ich lag die nächsten zwei Tage mit Fieber, Halsschmerzen und Selbstmitleid auf der Dachterrasse…krank sein im Paradies macht keinen Spaß, noch weniger als Zuhause. Ich hab lange mit mir gerungen, ob ich den Kurs wirklich beenden möchte. Aber letzten Endes hat der Gedanke an die bereits gezahlte Kursgebühr  und dass ich für die Strapazen doch wenigstens auch den Schein in der Hand halten möchte, gesiegt – und es hat sich so gelohnt! Für den nächsten Tauchgang waren 4 Tauchgänge angesetzt, alle an verschiedenen Orten, von denen einer schöner als der andere war. Es ist wirklich eine völlig andere Welt da unten. Es ist als ob Gott, Allah, Zufall oder wer auch immer mit seiner Fantasie durchgegangen ist und sehen wollte, wieviele Formen und Farbmuster er sich ausdenken kann. Leuchtend neon blau, gepunktet, gestreift, aufrecht schwimmend, rosa Nemos in rosa Anemonen...Und das tolle ist, dass diese Welt (fast) völlig unabhängig von uns Landgängern existiert. Er ist fast als ob die großen Baracudas uns Tauchern einen schrägen Seitenblick zu werfen „What are you looking at? I existed long before your kind…“
Der atemberaubendste Moment war, als mein Tauchbuddy es geschafft hatte, in einen Seeigel zu fassen und wir eine Pause einlegen mussten, in der unser Tauchlehrer versuchte, die Stachel wieder aus seinem Finger zu ziehen. In wenigen Minuten waren wir von hunderten silbernen Fische umgeben, die uns neugierig umkreisten. Die anderen beiden waren mit den Stacheln beschäftigt, so dass ich ein Stück nach oben schwamm und mitten im Fischschwarm war, bis sie nach ein paar Minuten das Interesse an uns verloren und weiterzogen. Tauchen ist fantastisch, man sieht so schöne Dinge. Allein das Glitzern der Sonne in unseren Luftblubberblasen, wenn wir beim Aufsteigen nur noch wenige Meter von der Oberfläche entfernt sind…ich hoffe ich habe in Thailand noch einmal die Gelegenheit dazu.


Der Abschied von der Insel fiel mir unheimlich schwer. Ich bekam von den ganzen erfahrenen Langzeit-Backpackern amüsant-mitleidige Blicke zugeworfen, als ich am Pier meine zwei Chefs umarmte und die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Es war so ein schöner sorgenfrei entspannter Monat, ein Ort an dem man einfach glücklich sein muss. Und sollte es mich wieder dahin verschlagen, in einigen Jahren, wird niemand meiner Freunde mehr dort sein, sondern nur ein großes Luxusresort für Stinkreiche und ein verdammter Flughafen. Kann man sich das vorstellen, ein Flughafen dort wo es jetzt nicht einmal Straßen gibt, nur Trampelpfade durch den Tropenwald. Reich und geschäftstüchtig ist ja schön und gut, aber um die Welt zu ziehen und jeden schönen Ort zu verhunzen geht ein bisschen weit…


Jetzt sitze ich in Phnom Penh in einem Coffee House und fahr gleich zum Flughafen, um nach Laos zu fliegen. Der nächste Teil der Reise geht los! Gestern war ich mit meinen ehemaligen Mitbewohnern noch was trinken und den neusten Klatsch auszutauschen. Hab sie vermisst, vor allem meine Französin. Haben uns für diesen Sommer Barcelona vorgenommen, hoffentlich klappt es. Heute war ich dann noch einmal in meiner Schule und hab für eine Stunde den Englischunterricht von Teacher Sokha auf den Kopf gestellt. Wobei der Versuch Englischspiele zu spielen schnell scheiterte, weil alle aufsprangen und gedrückt werden wollten…es war so süß! Es war gut alle nochmal wiederzusehen, lässt mich irgendwie beruhigter weiterreisen. Die Kinder sahen, dass ich nicht für immer gehe, sondern sie jederzeit wieder besuchen könnte, und ich weiß, dass ich in Phnom Penh immer Menschen haben werde, die ich besuchen kann und die froh sind mich wiederzusehen.

Nun gut, auf zum Flughafen…mal sehen wie spannend die Visa-Beantragung von einem korrupten Land ins nächste wird. ;)

4 comments:

  1. Mann trifft sich immer zweimal im Leben ;-) Gute Reise und angenehmen Flug.

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  2. Eine Bar als Wohnzimmer zu haben, ist der Einstieg in die Literatur. Ein mir näher Bekannter verlegte nach der Wende seinen Hauptwohnsitz, für mehrere Monate, in eine Kneipe. Dort, sozusagen von zu Hause aus, widmete er sich auch seiner Erwerbstätigkeit. Sie bestand aus Schnellschach um ein Preisgeld, oder, wenn sich kein Irrer fand, der sich darauf einließ, dem gepflegten Pianospiel. Nebenbei absolvierte er ein Aufbaustudium in Frauenpsychologie und -kunde. Geschlafen wurde in dem Hinterzimmer der gastlichen Stätte.
    Später, im Rahmen der Globalisierung und der Völkerverständigung, wählte er eine Dönerbude mit Fernseher zu seinem Lebensmittelpunkt. Sie diente als multikulturelle Schaltzentrale im Stadtteil, war aber zum Übernachten denkbar ungeeignet. Hier half ihm sein erfolgreich absolviertes Aufbaustudium weiter. Er gilt heute noch als Bahnbrecher für alle Couchsurfer die es mangels Reiselust nicht weiter als bis zur Stadtgrenze schaffen.
    Bei solchen Stichpunkten in der Curriculum Vitae kommt man nicht umhin, sich als Schriftsteller zu verdingen. Sein letztes Buch wurde folgerichtig auch in China verlegt. So übersetzt, erkennt er es zwar nicht wieder, aber er hofft, daß dieser Umstand einmal hilfreich sein könnte, wenn er später vielleicht einmal in einen Asia-Imbiss einziehen müßte.
    Guten Flug! Und wirf das Tütchen mit dem Puderzucker besser weg, bevor du eincheckst. Die da unten verstehen keinen Spaß.

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    1. Ich sehe, ich sehe...ich habe den ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Wenn das kein vielversprechendes Leben wird. Meine Bücher werden aber ins Khmer übersetzt, erlesenerer Leserkreis und die Schriftzeichen sehen hübscher aus...

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