Ich werde die vielleicht einmalige Chance stabiles Internet
auf meinem Laptop zu haben einmal nutzen, um mich mal wieder zu Wort zu melden
und versuchen ein paar Fotos hochzuladen. Diese Insel ist einfach zu genial um
euch die Bilder vorzuenthalten. Das Leben hier ist entspannt und abgesehen von
Moskitostichen, Hautirritationen von zu viel Salzwasser und Sandflöhen und
chronische Müdigkeit kann man es als Paradies bezeichnen. Nicht kann
hundertprozentig perfekt sein und ich sehe es einfach mal als Glück, dass Haut-
und Moskitostiche mein Minus hier sind…es könnte schlimmer sein. ;) Leider geht
es sehr vielen wie mir, so dass die Insel langsam aber sicher aus allen Nähten
platzen wird. Noch ist alles klein und rustikal, das Bungalow Resort in dem ich
arbeite war das Erste auf der Insel und feierte vor zwei Tagen seinen 1. Jahrestag. Ohhh, meine Chefs wissen wie man eine Party feiern muss, es fehlte an nichts....Wir haben es uns den Vormittag über im Tauchschul-Raum bequem gemacht und gefühlte 1000 Luftballons mit den Taucher-Gasflaschen aufgeblasen. Die jüngste der Nomadenfamilie hat uns geholfen am Ende alle zusammenzubinden, so dass wir mit einer riesigen Schlange Luftballons über den Pier zur Bar laufen mussten, um dort alle wieder zu entfitzen. Wir mussten alle bis zu einem bestimmten Punkt der Party arbeiten, aber danach gabs Freigetränke. Keine gute Idee :) Irgendwann nachts um 4 sind mein israelischer Zimmergensse und ich dann in die Küche eingebrochen und haben ein nächtliches Chaos mit Baguetteresten, Schokoladensoße und Erdnussbutter angerichtet. Als die Taschenlampe unseres Chefs dann aufblitzte dachten wir, wir sind in ernsthaften Schwierigkeiten (war schließlich sein Schlüssel, den wir dafür geklaut haben). Aber er hat sich einfach nur dazugesellt und mitgegessen :)
Meine Lieblings-Kollegin. Sie macht die besten Ice Coffees :)
Cocos Bar und unsere Partydekos :)
Aber jeden Monat kommt ein neues Hostel hinzu, Touristen schlafen notbedürftig
und abenteuerlustig in Fischerbooten und mitgebrachten Hängematten aufgrund von
Bettenmangel und die Gerüchte, dass einige reiche Kambodschaner und Russen die
Insel aufgekauft haben und nun zum Luxusresort umbauen wollen, scheinen leider
wahr zu sein, denn den Dorfbewohnern wurde bereits Geld für eine Umsiedlung
angeboten. Was sie abgelehnt haben und nun warten alle ängstlich gespannt auf
die Reaktion der Regierung, wenn sie davon Wind bekommt. Selbst hier auf der
Insel spürt man die Anspannung, wenn eine Regierungskontrolle kommt und sei es
nur aus banalen Gründen. Es ist traurig, wenn man Angst vor seiner eigenen
Regierung haben muss, geschweige denn nicht darauf bauen kann, dass sie einen
schützt.
| BBQ, der süße kleine noch-Welpe von Cocos |
Von meiner kleinen Rosa-Paradies-Blubberblase gibt es nicht
viel Neues zu berichten. Meine Kanadier und Amerikaner sind wieder abgereist,
jetzt habe ich eine nette große Gruppe aus Israelis und Türken um mich herum.
Der Zusammenhalt zwischen Menschen dieser zwei Nationalitäten untereinander ist
so groß und richtig toll mitzuerleben. Israelis finden sich hier auf der Insel
sofort (und wahrscheinlich an jedem anderen Fleck der Welt auch) und helfen einander
mit allem, egal ob es um Essen, Unterkunft oder Jobsuche geht. Gerade sitze ich
im Kreis meiner Lieblingsisraelis, die Eltern der Nomadenfamilie machen
Videoblogeinträge, eins ihrer Kind klimpert auf der Ukulele, während mein
israelischer Zimmergenosse und Mitarbeiter, der vom Moment unseres Kennenlernens zu
meinem besten Insel-Freund hochgeschnipst ist, neben mir sitzt und mir
mein Abendbrot (Pasta Tuna) wegfuttert. Es hängt eine leicht melancholische
Stimmung in der Luft, da wir vor wenigen Stunden ein paar guten Freunden aus
Kanada, England und Irland Lebewohl sagen mussten. Wir hatten ein paar schöne
Tage zusammen, Speerfischen (ich bin zu blöd für…), im Plankton schwimmen
(stellt euch vor ihr schwimmt im stockdustern im Meer und das Wasser um euch
herum fängt an zu leuchten…unglaublich!) und wir sind mit der Nomadenfamilie
zusammen durch einen abenteuerlichen Dschungel gewandert, haben uns an Seilen
steile Hänge heruntergehangelt und kamen an einem wunderschönen einsamen 7km
Strand heraus. Es ist seltsam und gehört doch zum Reiseleben dazu, dass du für
wenige Tage Menschen um dich herum hast, die sofort zu deinen besten Freunden
hier werden. Du lernst sie wahrscheinlich besser und doch von einer völlig
anderen Seite kennen, als du es im normalen Alltag tun würdest, und trotzdem
oder gerade deshalb fühlt man sich für einige Tage unglaublich verbunden,
Familie- und Freundeskreis auf Zeit, bis sich die Reisewege wieder trennen und
man nicht weiß, ob man sich überhaupt je wieder sieht. Ich stand in den zwei
Wochen bereits 3mal auf dem Pier und hab der Fähre Richtung Festland wehmütig
hinterher gewunken . Doch bevor man großartig melancholisch werden kann, kommen
auch schon wieder die nächsten an, gerade ist eine Gruppe netter Kanadier
eingetroffen die jetzt als Kellner Probearbeiten.
Über die Nomadenfamilie muss ich wahrscheinlich auch mal
einen längeren Eintrag schreiben. Diese 5 Menschen und ihr Leben sind so
inspirierend für jeden der sie kennenlernt, du wirst buchstäblich von ihrer
Lebensfreude und Offenheit angesaugt und willst am liebsten mit ihnen
mitreisen. Gaby und Kobi haben mit Anfang 40 und 3 Kindern (jetzt 8,9 und 11)
ihrem normalen Leben in Israel den Rücken gekehrt und reisen nun schon seit 3
Jahren durch die Gegend. Sie unterrichten ihre Kinder selbst, aber in so einer
erstaunlichen Art und Weise dass ich meine Hand ins Feuer legen würde, dass die
Kinder mehr auf dem Kasten haben als alle ihre Altersgenossen. Und nebenbei
können sie durch ihre Reisen neben hebräisch auch englisch und spanisch
sprechen und lernen durch ihre gleichaltrigen Freunde auf der Insel hier nun
auch kambodschanisch. Es muss ein tolles wildes Leben sein und gleichzeitig
lernen sie so viel. Und die beiden, Cobi und Gabi, sind selbst so neugierig auf
alles Neue und jeden neuen Menschen in ihrem Leben, dass man das Gefühl hat man
sammelt mehr neue Eindrücke und Erfahrungen an einem gemeinsam verbrachten Abend.
Die 5 leben zur Zeit in einem kleinen Haus auf dem Pier und wir haben schon
einige Nächte auf dem Holzsteg verbracht, mit einer Gitarre in der Runde und
vielen schönen Geschichten und Liedern aus Israel, Italien, Australien,
Deutschland und woher auch immer gerade die Anwesenden kommen. Ich glaube, wenn
jeder ihre Art Freunde zu gewinnen übernehmen würde, wäre die Welt ein besserer
Ort. Hier ist die Webseite der Familie und ihre Facebook Seite, falls jemand
interessiert ist und in deren Leben reinschnuppern möchte:
www.thenomadicfamily.com
https://www.facebook.com/pages/The-Nomadic-Family/219064278150784?ref=ts&fref=ts
Sie finanzieren ihr Leben im Prinzip durch diese Seiten,
indem sie Werbung für die Orte (hier zum Beispiel die Tauchschule auf der
Insel) machen, deshalb freuen sie sich immer über Likes ;) Denn so beliebter
sie online sind, umso leichter fällt es ihnen einen Job zu finden. Und wenn
jemand Kontakte zu Zeitungen hat, sie sind auch bereit Interviews zu geben…;)