Sunday, October 7, 2012

Eindrücke der ersten Woche



So, nun bin ich seit einigen Tagen richtig in Kambodscha und versuche mal ein paar Eindrücke in Worte zu fassen. Ich sage bewusst „einige“, da hier die ganze Zeit so viel Neues auf mich einströmt, dass ich mich die meiste Zeit völlig erschlagen fühle. Die ersten zwei Tage hatte sich so viel neues angesammelt, dass ich einfach nur heulen wollte…nicht weil es mir nicht gefällt, es ist wunderbar hier, aber ich glaube meinem Gehirn und Nerven war es einfach zu viel auf einmal. Ich glaube aber, dass Phnom Penh mir wirklich ans Herz wachsen wird.
Naja, tobeginatthebeginning, nach 19 Stunden auf der Reise kam ich Dienstagabend in Phnom Penh an. Nachdem ich das Visa erhalten habe verließ ich den Flughafen…und kein Mitarbeiter von ProjectsAbroad zu sehen. Mein Herz sackte mir erstmal in die Hose. Zum Glück kam aber kurze Zeit später jemand und brachte mich zu meinem Apartment. Die anderen Freiwilligen haben mich unglaublich lieb empfangen und gleich eingeladen, mit ins Café zu gehen. Aber ich war an dem Abend zu nichts mehr zu gebrauchen. Am nächsten Morgen hatte ich ein Einführungstreffen mit 3 anderen Freiwilligen und Sopah, unseren Betreuer – der, scheinbar typisch für Kambodschaner, sehr viel und gern redet und noch mehr lacht. Selbst über Dinge, die wir gar nicht komisch finden würden. Er erzählte zum Beispiel (über unsere Gesichter lachend) wie er am Wochenende einem Nachbarn half seinen toten Freund zum Tempel zu tragen.  Und machte sich darüber lustig, wie westliche Nationen mit dem Tod umgehen – in Kambodscha ist er ein völlig selbstverständlicher Teil des Lebens und er hätte schon so viele Tote zum Tempel getragen. Nun, er zeigte uns per Tuktuk die Stadt und begleitete mich am Nachmittag zu meiner Schule. Da wartete bereits eine genauso fröhliche Schulleiterin auf uns, die mir gleich mit einem strahlenden Lächeln zwei Hefte auf den Tisch legte und meinte, sie hätten für vormittags dritte Klasse und nachmittags zweite keine Lehrer, ob ich das nicht gleich mal morgen austesten möchte. Bei dem und dem Kapitel sind sie jetzt. Aber natürlich wäre es meine Entscheidung. So ein bisschen fing Panik an in mir aufzusteigen, vor allem da ich nur kleine Teile von dem was sie erzählte verstand: Es war gerade Pause und die Kinder draußen am Schreien und die Khmer-Englischaussprache ist nicht wirklich verständlich für Nichteingeweihte.  Gleich darauf fing sie aber in viel klarerem Englisch an von ihrem neuen Glauben an Gott an zu schwärmen (bevor sie die Schulgründer kennengelernt hat war sie wie alle Kambodschaner Buddhist), dass sie der festen Überzeugung ist ich wurde von Gott gesandt und es ist egal ob ich daran glaube oder nicht, er sieht alles was ich tue (war wahrscheinlich als wunderschönes Kompliment gemeint, aber im Nachhinein finde ich es ein bisschen gruslig)….wer kann denn da nein sagen? Den Rest des Tages verbrachte ich also in der Panik, dass ich 5 Stunden zu planen hatte. Die legte sich auch erst, als ich mit den anderen nach dem Abendbrot zu Jarsof Clay gegangen bin, ein Café dass das Waisenhaus unterstützt, in dem meine Zimmermitbewohnerin arbeitet. Die haben da Kuchen und Torten...sowas tolles hab ich selbst in Deutschland noch nicht gegessen.:)
Der nächste Tag war eine Herausforderung.  Dass Tuktuk-fahrer immer nett ja sagen, obwohl sie den Weg gar nicht kennen,  bewahrheitete sich gleich am ersten Arbeitstag, als ich gleich mal eine Viertelstunde zu spät kam, weil ich zu etwas völlig anderem gefahren wurde. Nach den drei Stunden am Vormittag war ich erstmal am Ende, auch wenn ich  nicht genau weiß wieso eigentlich. Ich hatte einen Lehrer mit dabei, der vieles übersetzte und da er in der Klasse war, blieben auch die Schüler ruhig. Das Klassenzimmer ist unglaublich klein, zwei Bankreihen und in der Mitte gerade mal so viel Platz, dass man durchlaufen kann. Da ich an Sitzkreise und Bewegungsspiele gedacht hatte, war das etwas unpraktisch. Da ich nicht wusste wie ihr Englischlevel war musste ich viel improvisieren. Und prompt fiel auch schon eine geplante Stunde weg und ich musste mir was aus den Fingern saugen, da sie die Vokabeln schon kannten und sich anfingen zu langweilen.Fazit: Einzelne Wörter auswendig lernen können sie gut, aber frei sprechen überhaupt. Laut der Schulleitung bin ich jetzt dafür zuständig. Der Nachmittag war viel angenehmer. Statt 14 hatte ich jetzt nur noch 8 Schüler, genügend Platz im Klassenzimmer und eine liebe kleine Lehrerin, deren einjährige Tochter mit durchs Zimmer stolperte, mir immer Bälle zuwarf und am liebsten auch mit Bildkarten sortieren wollte. Es war also schön entspannt und die Mädels der Truppe haben mir in der Pause auch meine erste Khmer-Stunde gegeben. Sie haben mir alle Wörter, die ich ihnen beigebracht habe auf Khmer vorgesagt, sie mich gnadenlos wiederholen lassen bis ich die Aussprache drauf hatte und immer wieder zwischendrin wiederholt, damit ich auch ja keins vergesse. Wenn ich so nach 6 Monaten kein fließend Khmer spreche…;)
Sonst passiert um mich herum noch so viel, dass mir der Kopf schwirrt. Immer noch übermüdet von dem Jetlag kann ich einfach nur alles um mich herum anstaunen. Schon allein was auf den Straßen los ist, besonders die auf Arbeit. Ich wohne am südlichen Ende der Stadt und muss zur Schule immer mit meinem persönlichen Tuktuk-Fahrer eine halbe Stunde die National Road lang, raus aus der Stadt, über den Mekong hinüber und ins Landesinnere hinein. Nachdem ich mich mit Sophan erst einmal über die ganzen Menschen mit diesen medizinischen Mundmasken lustig gemacht hatte (er meinte viele Frauen tragen dass um ihren Teint zu bewahren), war ich dann ganz froh als mir Vuthoeun eine schenkte. Es ist unglaublich was da an Abgasen und vor allem Staub zusammenkommt. Aber die vielen Menschen, die da unterwegs sind. Marktleute mit Handkarren, Mönche, bettelnde Kinder, viele viele  Motorräder,  die oft einen ganzen Lieferwagen ersetzen (eines hatte ca. 20 lebende Hühner am Lenkrad festgebunden und drei Schweine (allerdings tot) auf dem Rücksitz gestapelt…und immer das Gesetz, wer am lautesten hupt gewinnt. Es stimmt wirklich, es existieren keine wirklichen Verkehrsregeln. In der Stadt gibt es zwar Ampeln, die dir sogar den Countdown runterzählen, wie lange es noch rot oder grün ist, aber sonst heißt es einfach ausweichen, wenn hinter dir ein lauteres Hupen als dein eigenes ertönt.
Und einige sehr lustige Momente mit den anderen hier hatte ich auch schon. Zum Beispiel wie wir 7 Freiwilligen uns auf dem Weg zum Kino in ein Tuktuk quetschen, was eigentlich für maximal 4 ausgelegt ist. Zwei mussten sich einfach aufs Geländer setzen und einer hinter den Fahrer. Alle Khmers haben uns ausgelacht, weil wir so unglaublich langsam waren…aber wir kamen alle ans Ziel.:) Auf dem Rückweg haben wir wieder versucht ein Tuktuk zusammenzufinden, aber die meisten haben uns nur doof angeschaut und abgewinkt. Bis ein älterer Herr einen seiner jüngeren Mitarbeiter verdonnerte uns zu fahren, einfach weil er sehen wollte wie wir alle in eins reinklettern wollen. Er hätte sowas noch nie gesehen. Auch er hat sich dann scheckig gelacht ;) Bei diesem Ausflug hab ich auch in Veranstaltungsmagazinen gelesen, dass Phnom Penh eine sehr interessante Kulturszene haben muss, die von vielen jungen Künstlern und teilweise auch von Backpackern leben soll…ich freu mich drauf. 
So, jetzt hab ich ziemlich viel runtergeschrieben, ich glaube das entschuldigt mich erst einmal für eine Weile, oder? ;) 

Das Wochenende war ich auf den Killing Fields und hab die Kulturszene Phnom Penhs erkundet. Davon berichte ich aber spaeter, da gibts dann auch Bilder.:)

4 comments:

  1. Entschuldigt nicht. *g*

    Ich will auch Tuktuk fahhhhhhhn! Gut, das wird sich kaum machen lassen. Aber Khmer lernen hat was für sich. Man weiß nie, ob man es nicht noch mal brauchen kann. Später, in LE beim Gemüsehändler an der Ecke sicherlich.

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    1. hmpf, da erinnere ich mich gerade an einen, der bei allen schädeldarstellungen in einem nicht namentlich genannten blog and pol pot denken musste... hat gerade gar nichts damit zu tun, war nur ne spontanassoziation und, hüstel, ein insiderwitz für den vati. ;o)

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  2. Das war der Jürgen. Der mußte an Pol Pot denken. Ich gab in Angesicht des Schädelhaufens folgenden Kommentar ab: »Als ich noch jung und unerfahren war, kannte ich Frauen, bei denen sah es im Keller genauso aus.«

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