Wednesday, April 10, 2013

Big city life und Burkas am Strand



Big city life und Burkas am Strand

Und nun ist es soweit, die Zeit zur Realität zurückzukehren hat es letztendendes doch geschafft mich (schweißgetränkt und keuchend, aber zielsicher) einzuholen und so sitze ich, wieder einmal und zum letzten Mal für dieses Abenteuer, am  Flughafen und warte…und warte. Ist es wirklich schon soweit? Hab ich nicht irgendetwas noch vergessen? Und jetzt fallen mir all diese anderen tollen Orte ein, die mich von der Abflugstafel aus anlächeln und nur darauf warten entdeckt zu werden, aber eigentlich freue ich mich erst einmal darauf nach Hause zu kommen. Das Reisen mit zwei deutschen Freunden hatte den Vorteil, dass ich mich langsam wieder auf Deutschland einstellen konnte und spätestens (wieder) allein am Strand in Ko Phi Phi, umgeben von Touristenschwärmen, war mir klar: Jetzt reichts erstmal, ich bin wieder bereit für kalte graue, aber klare Luft, richtigen Kaffee auf Mamas Terrasse, meine Geschwister knuddeln, mit dem Fahrrad durch Leipzigs Straßen und Parks zu fahren, meine Freunde, WG und sogar mal wieder in der Unibibo sitzen und etwas hochtrabend Intellektuelles lesen. Und da ich fest davon überzeugt bin dem Winter dieses Jahr entgangen zu sein, habe ich mit einem Freund eine Wette abgeschlossen, dass das Thermometer es innerhalb einer Woche, nachdem ich daheim angekommen bin, schafft auf 20 Grad hochzukraxeln. Sehr optimistisch, aber irgendwie muss man sich ja an ein bisschen Hoffnung klammern.


Auch wenn ich mich innerlich schon langsam wieder auf Deutschland eingestellt habe, der letzte Reiseabschnitt Thailand war ebenso genial, wie der erste Teil meiner Reise. Während mir Laos in vielen Dingen eher wie ein ländlicheres Kambodscha vorkam, scheint sich Thailand doch sehr von den beiden zu unterscheiden. Wesentlich besser entwickelt, wesentlich touristischer, ein ganzes Stückchen teurer und trotzdem hat es noch etwas dieser kunterbunt-fröhlich-gastfreundlich chaotischen Ausstrahlung Südostasiens. Auch hier sind die Menschen sehr freundlich und höflich, aber sehr viel mehr am Westen orientiert (zumindest in den touristischen Orten, die ich gesehen habe) und dadurch moderner. Frauen scheinen sehr viel mehr Freiheiten zu haben, kleiden sich öfter westlich-leger, zum ersten Mal sehe ich auch junge Asiatinnen mit Kurzhaarschnitten und es ist bei erstaunlich vielen auf den ersten Blick gar nicht so einfach zu sagen, ob sie nun Frau oder Ladyboy sind.
Vor allem in Bangkok fielen mir diese Freiheiten auf. Aber wo, wenn nicht in Bangkok? Diese Stadt ist der Wahnsinn! Mir wurde vor Beginn meiner Reise gesagt „you either love or hate it“ und so bin ich sehr neugierig, aber ohne größere Erwartungen an meine 5 Nights in Bangkok herangegangen. Und trotz dass sie mich an meinem ersten Abend mit einem lauten Neonlicht-zu viele Menschen-Schlag ins Gesicht überwältigt hat, ist es eine der schönsten interessantesten Städte in der ich je war. 

 
Am ersten Abend, der Tag des letzten Blogeintrags, kam ich zunächst völlig fertig kurz vor Mitternacht am Flughafen an. Die günstigen Busse fuhren nicht mehr, so dass ich einen Zug bis zur Endstation, Phaya Thay, nahm. Von dort aus sollte ich ein Taxi bis zur Unterkunft nehmen. Nur hielt keins…selbst als ich die Heranwink-Taktik der Thais um mich herum übernahm. Als dann endlich welche hielten, weigerten sie sich nach Taximeter zu fahren und nannten mir stattdessen Preise, von denen selbst ich Bangkok-Neuling wusste, dass sie völlig überteuert waren. Letztenendes gab ich nach und handelte beim 5.  No-Taximeter den günstigsten Preis aus, zu dem er sich herabließ (immer noch überteuert) und ließ mich zur Unterkunft fahren. Jaaa…ich hätte es wissen müssen. Man sollte misstrauisch werden, wenn Aircon-Einzelzimmer mit eigenem Bad im Touri-Zentrum genauso viel kosten, wie anderswo Dormzimmer. Günstig war es…nur die Review eines anderen Gastes (die ich natürlich erst nach Check In gelesen habe), dass es einer Thai-Gefängniszelle gleichen würde, kann ich bestätigen. Nun gut, die indischen Männer, die auch das Shisha-Restaurant dass zum Hostel gehörte betrieben, waren sehr nett und meine Tür ließ sich gut verriegeln, so dass ich mir zumindest keine Sorgen um meine Sicherheit machte. Da ich es sowieso nicht lange in diesem Zimmer aushielt, erkundete ich noch in dieser Nacht die nahe Khao San Road, Vergnügungsmeile für Backpacker, Pub Street tausendmal extremer, ein Ort an dem wirklich alles zu bekommen ist, was einem verrückten Backpacker so einfallen könnte. Von überall her trönt laute Musik, Leuchtschilder und Neonlicht türmen sich an den Hauswänden, vor den Bars, Clubs und Hostels reihen sich Streetfood- und Klamottenstände, die Massagesalons haben ihre Liegen auf der Straße ausgebreitet und massieren nun besoffenen jungen Menschen die Füße, in einer Ecke lassen sich Leute auf offener Straße Tattoos stechen, in einer anderen Dreads machen, mindestens 3 Stände bieten offen gefälschte Pässe, Führerscheine, Studentenausweise, deutsche Bahncards und sogar Universitätsabschlüsse für gar nicht mal so viel Geld an…es war irre! Man muss noch nicht einmal Teil dieser besoffenen Masse sein, durchlaufen und staunen reicht für einen abwechslungsreichen Abend. Tipp an diejenigen die demnächst nach Bangkok wollen: Wenn ihr etwas an den Ständen kaufen wollt, geht am nächsten Tag hin. Dieser Teil der Stadt ist bis spätnachmittags ausgestorben und so lassen die Händler sich eher auf humane Preise ein. 


Die nächsten Tage verbrachte ich damit staunend durch Bangkoks Straßen zu laufen, Tempel und Königspalast zu erkunden, mit dem Linienboot auf dem Fluß entlangzuschippern und viel viel viel Streetfood auszuprobieren. Frische Fruchtshakes, Pat Thay, Currys, Spieße, alles schön garniert mit Blumen und Obstspalten…ich kann stolz von mir behaupten jeden Tag mindestens 2 Fruchtshakes getrunken zu haben, in Bangkok wahrscheinlich 5. Ich erspar euch jetzt Touri-details von der Stadt, wer möchte, dem kann ich mal die unzähligen Fotos aller Sehenswürdigkeiten zeigen. Die Highlights: die beeindruckenden Tempel rund um den Königspalast, vom 84. Stock des höchsten Hochhauses Südostasiens die Stadt zu bewundern und einen Abend die Musikszene Bangkoks erkunden. Witzigerweise war ein amerikanischer Freund, den ich über Couchsurfing kennengelernt und mit dem ich eine Weile zusammen auf Koh Rong gearbeitet habe, auch gerade in Bangkok. Er wohnte bei seinem Kumpel, der in Bangkok lebte und beide luden mich ein, mit ihnen auf ein Konzert zu gehen. Es stellte sich heraus, dass dieses Konzert die Jubiläumsfeier einer Party-Veranstaltungsreihe war und dafür eine berühmte thailändische Countrysängerin wieder aus dem Ruhestand erweckt wurde. Es war ein sehr lustiger Abend, wir waren fast die einzigen Westlichen, dafür war viel thailändische Prominenz anwesend, die ich natürlich alle nicht kannte. Aber ich hab ein Foto mit einem (recht gutaussehenden ;)) Nr.1 Sänger ergattert, von dem ich bis jetzt noch kein Lied gehört habe, aber dessen Bild mich seither auf Getränkeplakaten und Wasserflaschen verfolgt.

Am vorletzten Haupstadt-Tag kamen Gunther und Tratzi nach, die sich noch Angkor Wat angeschaut haben, während ich bereits Bangkok erkundete. Wir verabschiedeten Tratzi und flogen nun zu zweit nach Krabi, wo der eigentliche Urlaubsteil der Reise begann. Schickes Bungalow-Resort, lange schöne Strände in der Nähe, unzählige beeindruckende Karstfelsen und Inseln…es war schön. J Eigentlich ist diese Gegend bereits muslimisch geprägt, so dass ein merkwürdiger Kontrast aus freizügiger Bikiniwelt am Strand, lokale Restaurants die keinen Alkohol ausschenken und den Gebetsrufen des Muezzin entsteht. Und das worüber ich die ganze Zeit gegrübelt und gezweifelt habe, trat an meinem vorletzten Tag wirklich ein: Ja, auch Frauen in Burka gehen an den Strand! :D Sie sitzen dann zwar nur im Schatten und wachen über ihre spielenden Kinder, aber immerhin…


Wie immer ist die Zeit viel zu schnell vergangen. Wir haben einen Ausflug in die Bucht von Pha Nang gemacht, wo die berühmtberüchtigte James Bond Insel zu finden ist, haben ein Kajak gemietet und uns auf eine abenteuerliche Paddeltour zu einer kleinen Insel begeben, die irgendwie weiter weg war als erwartet und auf der Gunther sich einen fiesen Sonnenbrand holte, so dass wir die nächsten Tage eher ruhig angehen ließen. An dem letzten gemeinsamen Tag fuhren wir nach Ko Phi Phi, wo ich dann gleich 4 Tage blieb. Ko Phi Phi ist…ein toller Ort um eine schöne Zeit zu verbringen und bis der Touristenboom einschlug war es sicher auch eine wunderschöne Insel. Das Dorf erinnert etwas an Tortuga: ein großer Hafen, viele kleine Holzhäuser und ein geschäftiges Treiben in unzähligen kleinen Gassen. Nur dass die Piratenmeute komplett von feierwütigen Touristen abgelöst wurde und wilde Tattoos höchstens noch unter Kellneruniformen hervorblitzen. Wenn man sich mit buddhistischer Ruhe durch das eigentlich muslimische Dorf treiben lässt und die Touris einfach ausblendet, ist es ein sehr schöner Ort. Absolutes Highlight: Mein Tauch-Ausflug mit 3 Tauchgängen. Beim Ersten haben wir ein 1997 gesunkenes Schiff erkundet, dass beeindruckend und etwas gruslig im Düsterschimmer von 24 m Tiefe nun das zuhause von unzähligen Fischen ist. Witzigerweise ist  es an allen Ecken und Kanten bereits etwas eingefallen, nur die weißen Kloschlüsseln blitzen noch alle blank in einer Reihe aus dem Wrack hervor. Beim zweiten Tauchgang haben wir einen Leopardenhai gesehen, der uns lange und mindestens genauso neugierig beäugt hat, und beim dritten haben wir an einem Anemonenriff viele Seepferdchen gesehen. Die Unterwasserwelt in Thailand ist echt genial! Leider leider waren keine Schildkröten bei meinen Tauchgängen zu sehen, aber ich habe mir schon geschworen wiederzukommen und einmal ausgiebig Tauchurlaub zu machen. Hoffentlich klappts…

Ein weiteres Highlight: Am letzten Tag wollte ich noch einmal etwas Besonderes machen und habe einen halbtägigen Kletterausflug in Railay Beach gebucht. Kann ja nicht sein, dass ich im Klettermekka Urlaub mache und die Karstfelsen bestaune und es dann nicht einmal selbst versuche da hochzukraxeln. Zugegebenermaßen, es war manchmal beängstigend an der Felswand zu hängen und nicht weiterzukommen. Und ich habe definitiv Muskeln gespürt, von deren Existenz ist nicht einmal wusste. Aber oben anzukommen, die Aussicht zu genießen und zu wissen, man ist an einige körperliche Grenzen gestoßen und hat es trotzdem geschafft…das war ein Adrenalinschub, der sicherlich süchtig machen kann. Insofern fühlt sich auch mein Muskelkater jetzt eher wie eine Belohnung an…mal sehen, ob ich das nach meinem 12 Stunden Flug immer noch sage. ;)


Nun gut, noch 3 Stunden bis zu meinem nächsten Flug…einziger Trost in der Langeweile ist, dass ich in 28 Stunden daheim bin und wenn ein halbes Jahr so schnell vergehen kann, sollte das für einen langen Reisetag auch kein Problem sein. Die letzten 6-7 Monate waren unglaublich und haben einiges für mich und in mir geändert. Aber ich glaube nun ist eine gute Zeit zu gehen, schon allein weil der erste langersehnte Monsunregen hier gerade niederprasselt und die 35 Grad und 60% Luftfeuchtigkeit langsam aber sicher in 40 Grad und 90% Luftfeuchtigkeit verwandeln wird.



Außerdem, wenn ich nicht wiederkomme, kann ich ja auch nicht wieder wegfahren…;)



3 comments:

  1. Die thailändische Unterwasserwelt läßt wirklich keine Wünsche offen. Deutsche Wertarbeit in Form von hochwertigen Sanitärporzellan aus den Hause Villeroy & Boch ist da der unterste Standart.
    Das Wetter hier ist momentan wieder etwas versöhnlicher gestimmt. Ab heute sollen es um die 15°C werden und laut Kachelmann nächste Woche knapp an die 20°C. Diese Bruthitze war vor einer Woche noch undenkbar.
    Ich bin noch unschlüssig, was ich mir an gefälschten Papieren von deinem nächsten Indochina-Trip mitbringen lasse. Ein Studentenausweis wäre nicht verkehrt und ein neuer Paß ist da unten bestimmt auch billiger als hier. Naja, wir werden sehen.

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  2. »Standard«. Das muß die Hitze sein ...

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  3. und pünktlich ist´s sommer. ;o)

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