Ich habe es tatsächlich gewagt und mein „All
alone“-Abenteuer begonnen. Nicht dass ich wirklich allein war an irgendeinem
Punkt meiner Reise…zumindest bis jetzt. Aber nun sitze ich für einen Monat auf
meiner Insel, dem wunderschönen Koh Rong, genieße weiße lange Strände,
türkisblaues warmes Wasser, frische exotische Früchte, freies Essen und gute
Gesellschaft. Es fühlt sich fast
unrealistisch an, so schön ist es hier und so entspannt und sorgenfrei das
Leben. Ich saß heute mit Remy, einem Langzeitgast, auf dem Steg und hatte eine
lange Diskussion was eigentlich Realität und reales Alltagsleben ist. Wäre es
eine Flucht vorm realen Leben, entschiede man sich für immer hierzubleiben? Wer
sagt, dass ein Leben im Paradies nicht real und umsetzbar ist, warum muss es
immer das konfliktreiche Leben im kalten Deutschland/USA sein?
Keine Sorge, ich habe nicht vor hierzubleiben und Aussteiger
aus der Gesellschaft zu spielen. Vielleicht später irgendwann einmal ;) Im
Moment genieße ich nur einfach mein Inselleben. Aber von Anfang an…
Nach einem sehr schönen und lustigen letzten Abend mit viel
Rotwein, mexikanischem Essen und „Mädelsgesprächen“, nahm ich letzte Woche
Dienstag den kleinen überfüllten Minibus nach Mondulkiri, dem „wilden Osten“
von Kambodscha. Langsam wurde der Weg hügeliger und kurvenreicher – langsam
fingen alle Frauen um mich herum an erbarmunglos in ihre Plastiktüten zu
kotzen- und irgendwann fuhren wir statt durch Reisfelder durch dichtbewachsenen
Dschungel. Nur unterbrochen von Rodungsfeldern, auf denen nun Plantagen
angebaut werden. Schade…Am nächsten Tag ging es dann von der einzigen
Touristenstadt aus, 3 Straßen mit ein paar Gasthäusern, mit dem Jeep über
staubige Straßen zum Elephant Valley Project. Es war ein unglaublicher Tag,
definitiv einer der interessantesten die ich hier bis jetzt erlebt habe! Das
Projekt kauft oder „mietet“ misshandelte oder kranke Elefanten von den
Besitzern und gibt ihnen in einem sehr
idyllischen Dschungeltal die Möglichkeit wieder wie normale Elefanten leben zu
können. Und jeder Elefant, der für Touristenzwecke genutzt wird ist ein
gesundheitliches Wrack, denn entgegen aller Vermutungen ist ein Elefantenrücken
nicht zum Tragen schwerer Lasten gemacht –bei zu großer Belastung (sprich einer
schweren Trage mit 2 dicken Touristen drin) drückt es die Rippen nach unten und
quetscht die inneren Organe.
Wir hatten also die Chance einen Tag mit diesen Elefanten zu
verbringen, hinter ihnen in den Fluss zu waten und sie mit Wasserkübeln zu
waschen und sie im Wald zu beobachten, während sie ganze Sträucher und
Pflanzengestrüpp in sich stopfen. Die ganze Zeit waren wir so nah, dass wir sie
hätten streicheln können. Wenn man vor so einem riesigen halbwilden Tier steht,
hat man dann aber noch zu viel Respekt. Ich hab nur eine Elefantendame namens
Onion am Rüssel gestreichelt – unglaublich, wie rau die Haut ist. Diese Tiere
waren so faszinierend und ihr Sozialverhalten ist Menschen so ähnlich (auch
Elefanten können nachtragend, mitleidig oder eifersüchtig sein), es war
wirklich toll sie so nah und lebensnah zu sehen.
Naja, und nun bin ich auf der Insel. Arbeite im Moment immer
zur Frühstücksschicht, 8.30 bis 2.30 Uhr, den Rest des Tages hab ich frei. Es
ist alles sehr rustikal, Strom und Wasser funktionieren nur dann wenn sie
gerade wollen, Ventilatoren gibts nicht, aber es ist wunderschön! Die Bar ist direkt am Strand, ich hab
seit meiner Ankunft keine Schuhe mehr getragen und kann stolz sagen, dass ich
jeden Tag bis jetzt im warmen, türkisblauen Meer schwimmen war. Meine einzige
Sorge soweit ist den Touristen klar zu machen, dass sie auf einer kleinen Insel
in Kambodscha sind und nicht im 5 Sterne Ibiza-Resort. Wenn viele Gäste
anwesend sind dauert es nun mal bis zu einer Stunde, bis das Essen da ist, da
hilft es auch nicht in die Küche zu rennen und Stress zu machen. Kambodschaner haben
die Ruhe weg, das Essen ist halt fertig wenn es fertig ist. Aber manches
versteh selbst ich nicht. Zum Beispiel warum sie mich bei der 20. Bestellung
des Tages immer noch wies erste Auto anschauen, wenn ich nach Besteck frage.
Aber die paar grauen Haare nehme ich für das Leben hier in Kauf. Auch dass die
Wände in unserem Haus nur halbhoch und aus dünnen Holzbrettern sind, so dass
man wirklich alles nachts hört. Da ich aber von wunderbaren netten Menschen
umgeben bin, ist das alles kein Problem.
Ich bin in wenigen Tagen von einer großen internationalen Familie in Phnom in die nächste internationale Familie auf der Insel gerutscht. Was hier noch viel mehr an Bedeutung zu haben scheint, da man sich auf einem 3km Strand nicht wirklich aus dem Weg gehen kann und so wohl oder übel zusammen lebt, arbeitet, weint, lacht und trinkt. Mein Chef ist Grieche, meine
Arbeitskollegen sind hauptsächlich Türken, zwei Amerikanerinnen, ein kanadisches
Pärchen und natürlich Kambodschaner. Und jetzt, in meinem letzten Monat Kambodscha, schaffe ich das was ich in 4 Monaten Phnom Penh nicht geschafft habe, ich lerne endlich Khmer. Zumindest soweit, dass ich mich mit meinen lieben Khmerfrauen in der Küche verständigen kann. Ansonsten arbeiten und leben hier kaum mehr als 20 Menschen auf der Insel, einige Holländer, Engländer und Amis die dem kalten grauen Alltagsleben ihrer Heimat entflohen sind und nun vom Inselleben eingesaugt wurden. Sprich, wenn einer erwähnt er will in einigen Tagen weiterreisen, lacht der Rest nur - es ist wie The Beach, wenn man einmal drinsteckt bleibt man auch. Mal sehen wie es mir in einem Monat geht...;) Durch die Touristen entsteht aber ein angenehmer Mix und da ich den meisten frühmorgens ihren Kaffee serviere, findet sich abends auch immer jemand zum trinken und am Strand sitzen. Alles ist locker und entspannt, es gibt immer jemanden zum Blödsinn machen, rumphilosophieren, durch den Dschungel trekken oder einfach nur faul am Strand liegen. Wien bisschen scheen....
Im Moment liegen wir inder Mittagsflaute auf den Bänken der Bar, fühlen uns wie Hemingway und schreiben eine Liste der dümmsten Situationen mit den Gästen hier. Ich werde einige sicher hier bald posten. I'll keep you updated!
Um meinen Ruf gerecht zu werden, müßte ich jetzt hier das Kochrezept für Elefantengulasch verewigen. Aber mit Rücksicht auf die zarten Seelen der geneigten Leserschaft verkneife ich mir das.
ReplyDeleteZum Aussteigen oder besser Einsteigen in das vemeintlich ruhige – ich glaube nicht daran, weil es dort auch andere Menschen gibt, also auch zwingend Mord- und Totschlag – Inselleben bist du noch zu jung. Die Welt steht dir ja noch offen. Aber, wenn du so um die Dreißig bist, kannst du ruhig mal drüber nachdenken. Es gibt wirklich keinen triftigen Grund, der dir gebietet sich hier mit komplett gestörten Deutschen rumzuärgern.
Oh man das ist so beneidenswert! Obst, Cocktails und interessante Konversation an einem warmen Strand. Ich wünschte ich hätte soviel Mut zusammengenommen mich auf so ein Abenteuer einzulassen.
ReplyDeleteNaja schau ich mal weiter zum -4 Grad kalten, grauen, deutschen Winter hinaus. Oh, es hat wieder mit Nieseln angefangen ... wie lieblich
Warum denn nicht... obwohl, ein heutiger Abstecher nach Heidenau zeigte ähnliche Strände und entspannte Gemüsehändler winken auch an jeder Ecke. Sooo anders kann das auch nicht sein. ;o)
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