Ich liebe
tropische Gewitter. Nichts im Vergleich zu den kleinen Weichei-Gewittern in
Deutschland…Du siehst erst eine dunkle massive Wand auf dich zukommen,
bedrohlich grummelnd und mit Blitzen um sich schlagend, dann schlägt mit einem
lauten Trommeln der Regen auf die Erde ein. Für die nächste halbe bis ganze
Stunde wird der Tag zur Nacht, man sieht nichts als schemenhafte Umrisse und
taghelle Blitze, das Wasser sammelt sich
in Strömen auf den Straßen und steht einem bald bis zu den Waden…oder Knien, in
kambodschanischen Verhältnissen gemessen. So ein „quite normal little rain“
geht hier gerade runter und ich sitze mit zwei
auf meinem Balkon und bestaune die nasse Welt…und freu mich dass es
etwas kühler ist. Nach maximal zwei Stunden ist leider alles wieder vorbei und nur
ein paar Pfützen bleiben als Beweis, dass es hier irgendwie mal geregnet hat.
In den
letzten Wochen ist einiges passiert. Ich war für ein langes Wochenende in
Battambang, eine Stadt im Westen von Kambodscha. Es waren ein paar sehr schöne,
erlebnisreiche Tage. Wir hatten einen super Tuktuk-Fahrer, der uns viel vom
„real Cambodia“ in den ländlichen Regionen gezeigt hat. Von wunderschönen
Tempeln, einem der seltenen Weinbaugebieten, traditionellen Familienbetrieben,
die Reispapier und Reisnudeln herstellen, bis hinzu Felshöhlen, aus denen in
der Abenddämmerung tausende von Fledermäusen strömen. Das war der
beeindruckendste Moment bis jetzt, eine schwarzer Schwarm von kleinen
flatternden Punkten, der aus einer kleinen Felsöffnung strömt. Alle meinten,
der Strom hält bis zu einer Stunde an, aber wir haben nur eine Viertelstunde
ausgehalten…die Mädels fingen an zu kreischen und sich ins Tuktuk zu retten,
als einige nasse Tropfen runterkamen. Ist Fledermauspisse wirklich so eklig?
Sind das wirklich die Mädels mit denen ich am gleichen Tag Heuschrecke,
Grashüpfer und Ratte probiert habe? ;-)
Das
lustigste Highlight der Reise war definitiv der Bamboo train. Ein Bambusfloß
mit einfachem Motor, das auf huckeligen Schienen dahinprescht. Sobald
Gegenverkehr muss man anhalten, verhandeln wer den Weg räumt (meist der Zug mit
den wenigsten Passagieren) und dann wird das ganze Dinge abgebaut, um Platz zu
machen. Leider wird diese Transportmöglichkeit abgeschafft, sobald die Chinesen
ihr Güterzugprojekt quer durch Südostasien fertiggestellt haben. Ich hoffe, das
wird nicht so bald sein….
Wieder
einmal befinde ich mich vor ein paar freien Tage, diesmal sogar eine ganze
Woche (ich will ja nicht angeben…;)). Von Dienstag bis Donnerstag ist hier das
Water festival, bei dem die Kambodschaner das Ende der Regenzeit feiern und das
der Tonle Sap River seine Richtung ändert. Während der Regenzeit fließt der
Fluss in Richtung See, jetzt ändert er es langsam wieder zu flussabwärts. Ich
nutze die Chance und fahre mit zwei Mädels ab Dienstag an den Strand und Rabbit
Island. Allerdings erst Dienstag, damit wir so viel Zeit wie möglich noch mit 3
Mitbewohnern verbringen können, die uns die Woche verlassen…es wird ruhig im
Apartment 6. Leider…in den letzten zwei Monaten sind wir richtig
zusammengewachsen, eine große Familie aus 12 völlig verschiedenen Charakteren,
die trotz aller Unterschiede durch dick und dünn gehen und sehr viel Spaß miteinander
hatten. Wir haben uns geschworen in 10 Jahren ein Haus in Sihanoukville (der
ultimativen Strandstadt hier) zu mieten und den Sommer zusammen zu verbringen.
Ich bin gespannt ob wir es wirklich machen, wäre sehr schön zu sehen was aus
allen geworden ist.
Zumindest
das letzte Wochenende mit allen war sehr lustig. Gestern waren wir bei einer
Khmer-Hochzeit. Seang, eine sehr liebe Mitarbeiterin von Projects Abroad, hat
das Wochenende geheiratet und hat alle Freiwilligen zur Wedding Reception
eingeladen. Die Hochzeit an sich ging über 1,5 Tage (inklusive 12 verschiedene
Hochzeitskleider, wobei wir 3 zu sehen bekamen) und am letzten Abend werden
dann meist alle Freunde und Bekannte eingeladen. Es war unglaublich! Ein
riesiger sehr edler Saal für ca. 700 Menschen in sehr schicken glitzernden
Kleidern. Obwohl wir alle für europäische Verhältnisse Hochzeits-angemessen
gekleidet waren, fühlten wir uns am Anfang etwas fehl am Platz. Essensplatten
wurden im Akkord nachgeliefert, von einem ganzen kleinen Ferkel, Frühlingsrollen,
bis hin zu Tintenfischsuppe war alles dabei. Alkohol gab es Bier und Whisky
(12-jähriger Chiva…ist glaub ich klar woran ich mich gehalten habe ;)) und
sobald der Brautstrauß geworfen und der Tanz eröffnet wurde floss davon
ziemlich viel. Die Kambodschaner haben uns die Khmer Art zu tanzen beigebracht,
was sehr lustig war, auch wenn ich die verschiedenen Handrollbewegungen
wahrscheinlich nie verstehen werde. Der Rest des Abends verschwindet in einem verschwommenen
Gelächterstrudel…zusammengefasst, es war ein wunderbarer Abend und Abschied von
unserer jetzigen WG-Konstellation…und den Kater auf jeden Fall Wert. ;)
Kinder, Kinder, dass ihr immer Alkohol trinken müsst... ;o)
ReplyDeleteUnd ja, Fledermauspisse ist eklig. Gemessen an normalem Regen.
12 verschiedene Charaktere, 12 Jahre alter Fusel und 12 verschiedene Hochzeitskleider von denen du nur drei gesehen hast. Wenn das kein Omen ist, hat das Raum und Zeitkontinuum einen Treffer weg. Ihr werdet euch wohl nicht in 10, sondern in 12 Jahren wiedersehen. Und wie, verrate ich jetzt noch nicht.
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