Saturday, January 19, 2013

Weihnachten, Tropenstrand und christliche Missionare...



Das „Ich berichte nach Weihnachten…“ hat sich doch etwas hingezogen, aber es ist soviel passiert in den letzten Wochen dass ich leider nicht zum Schreiben kam. Dafür gibt es jetzt aber umso mehr zu erzählen, einige Planänderung der Mission Kambodscha inklusive.

Zunächst einmal, Weihnachten…trotz der Bemühungen der Supermärkte, Einkaufszentren und Straßenkinder, die plötzlich Weihnachtsmützen statt Armbänder verkauften, kam nicht so wirklich Weihnachtsstimmung auf. Ich habe eher alle Verkäufer bemitleidet, dass sie bei der Hitze den ganzen Tag so warme Mützen tragen müssen. Wir haben trotzdem versucht das Beste daraus zu machen. In der WG wurden kleine Geschenke getauscht, die Kinder durften schon Wochen vorher Lieder singen (Jingle Bells ist der Renner hier…), Weihnachtsgeschichten lesen und bunte Tannenbäume malen. Am Wochenende vor Heiligabend habe ich auf die Einladung meiner Mentorin ihre Kirchgemeinde besucht und mit ihnen einen Weihnachtsgottesdienst gefeiert. Es war unglaublich süß, was sie auf die Beine gestellt haben. Vorm Gemeindesaal stand eine Weihnachtsbaumattrappe, die mit Schnee-Seifenschaum aus einem Fenster im 1. Stock besprüht wurde. Auch hier war ich als „Westerner“ ein Exot, so dass ich nun auf unendlich vielen Familienfotos vorm Weihnachtsbaum zu sehen bin. Eine ähnliche Situation hatte ich schon mal auf meinem Ausflug in den Zoo, als Simone und ich plötzlich ein interessanteres Fotoobjekt wurden als die Tiere selbst. Der eigentliche Gottesdienst bestand zum Großteil aus Tanz- und Gesangsvorführungen, alle in schönen aufwendigen Kleidern. Was mir dabei (und auch schon eher bei TV-Shows) auffiel war, dass viel mehr Wert darauf gelegt wird, die Lieder mit eleganten Gesten und Posen zu untermalen, anstatt zu singen. Das Meiste wurde deshalb vom Band abgespielt, während die Sänger nur die Lippen bewegten. Am Ende wurde lautstark „Happy Birthday, Jesus!“ gesungen, Silberkonfetti und Luftballons rieselten auf die Bühne herab und alles brach in eine tanzende, singende Partystimmung aus. Ein ereignisreicher Morgen! 


Eine Woche später (am 29.) feierten wir mit unseren Lehrern und allen Kindern der Asia’s Hope Waisenhäuser Weihnachten. Sie fand auf einem neu erworbenen Gelände statt, auf dem alle 5 Waisenhäuser, eine Schule und eine Kirche Platz finden sollen. Im Moment ist alles jedoch nur kahles Land, so dass das Festzelt und eine kleinen Bühne auf freiem Feld stand. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass dort mal ein schönes kleines Minidorf für die Kinder errichtet wird.  Die Feier ähnelte sehr dem Gottesdienst, die Kinder hatten 2 Stunden Tänze, Gesang und ein kleines Krippenspiel vorbereitet. Eine Gruppe Sponsoren aus Florida besuchte die Weihnachtsfeier, was die Kleinen schon die ganze Woche in Aufregung versetzt hatte. Einer der Sponsoren war ein Pastor, welcher scheinbar das Projekt mit auf die Beine gestellt hat. Er hielt eine sehr lange Predigt, die mich (trotz dass ich mich bereits daran gewöhnt hatte im buddhistischen Kambodscha an einer christlichen Schule zu arbeiten) wieder stark an meinem Verständnis für christliche Missionare zweifeln ließ. So gut sein Wille auch ist und so sehr er diesen Kindern auch hilft, ihnen während der Predigt einen großen aufgeblasenen Santa Claus zu geben (die Begeisterung war groß) und dann zu meinen, er wäre tot, Santa ist auf einer Stufe mit Spiderman, nur Jesus ist der wahre…naja, die Geister mögen sich dran scheiden, letztenendes sind beide „Superhero“ Ideen von westlichen Weltverbesserern eingeschleppt wurden und es würde nur auf den Streit hinauslaufen, wer von beiden der bessere ist, der mit der roten Mütze oder der am Kreuz hängt. Im Großen und Ganzen war es aber ein wunderschöner Tag, den Kindern hat es sehr viel Spaß gemacht und am Ende gab es Geschenke für alle. Hat sich doch gelohnt :)


Silvester war ebenfalls sehr lustig, wir schenkten unseren Köchinnen einen freien Abend und kochten einmal selber: Pasta mit Tomatensoße und Hühnchen-Tortillas und zum Nachtisch französischer Käse mit Baguette und Cocktails. Was vielleicht nicht so spannend klingt für ein Festessen, hat uns hier nach Monaten/Wochen Reis essen in große Aufregung versetzt. :D Wir haben einige kambodschanische Freunde und Kollegen eingeladen, die zum ersten Mal die europäische Version von Pasta gegessen haben…und zum ersten Mal Cocktails tranken. Wenn ich gewusst hätte, dass Kambodschaner zwar Angkor-Bier bechern können bis zum Umfallen, aber bei Wodka-Orangensaft schneller betrunken sind, als das Glas alle ist, hätte ich ihnen alkoholfreie gegeben…;) Nach dem Essen ging es zur Kneipenmeile Riverside, die allerdings so überfüllt mit Menschen war, das wir schnell wieder den Rückzug angetreten sind. Das berühmt-berüchtigte Feuerwerk gab es eh nicht, da Kambodscha offiziell immer noch um den König trauert. So saßen wir Mitternacht in einem Park, umgeben von Kambodschanern, die zwar alle in Partylaune waren, aber sich nicht viel aus Neujahrsfeiern machten. Wir hatten also drei verschiedene Countdowns (zum Gelächter aller um uns herum), da alle unsere Uhren falsch gingen und ein kleines Böller-Feuerwerk. Nicht nur die Straßenkinder waren begeistert, selbst die Männer wurden wieder zu kleinen Kindern, als sie die kleinen blauen Strahlen in die Luft schießen sahen…;)


Am nächsten Tag, nach 2 Stunden Schlaf, fuhr ich durch das dämmernde noch Rausch ausschlafende Phnom Penh zur Bus Station, um den Bus Richtung Strand, Sonne, Mangrovendschungel zu nehmen. Ich hatte mir für die erste Januarwoche frei genommen und obwohl ich alleine nach Sihanoukville gefahren bin war es einer der schönsten Urlaube hier sofern…vielleicht auch gerade weil ich allein war und zum ersten Mal seit 3 Monaten keine Kompromisse mit 5-12 Mitbewohnern schließen musste. Sihanoukville war wunderschön, aber auch so anders als der Rest Kambodschas. Hier trafen irgendwann alle Backpacker ein und die meisten blieben bis Datum unbestimmt. Witziger weise traf ich hier so viele wieder, denen ich in Oktober in Siem Reap begegnet bin…alle hatten riesige Pläne was sie alle in den nächsten Monaten alles von Südostasien sehen wollten und alle sind in Sihanoukville stecken geblieben und haben es (so kommt es mir zumindest vor) noch nicht einmal mitbekommen, wie die Zeit verflogen ist. Mir war die ewige Feierstimmung am 1.Januar in meiner eigenen Entkaterstimmung allerdings etwas zu viel, so dass ich mit einem chinesischen Journalisten, mit dem ich mich über Couchsurfing in Sihanoukville verabredet hatte, die erste Fähre nach Koh Rong genommen habe. Koh Rong war DAS Tropenparadies! Eine 10 km lange Insel, 2 Stunden vom Festland entfernt und abgesehen von weißen Stränden, türkisblauem Wasser voller Korallenriffe und tiefer undurchdringbarer Dschungel gibt es da nichts. Keine Straßen, kein „Lady, TukTuk“, kein „Lady, want massage? Pedicure? Ohhh sister, look at your nails? 1 Dollar, I make them for youuu…“ und keine Spur von Stress. Die Bambusbungalows am Strand waren leider alle ausgebucht (trotzdem war der Strand kein bisschen überlaufen), so dass wir ein Zimmer im Guesthouse im naheliegenden Dorf (10 Häuser, viele Hühner, Hunde und Kinder) genommen haben. Was ein Abenteuer für sich war, da wir nachts einen Dorfbewohner bitten mussten uns mit der Taschenlampe zum Haus zu bringen, um nicht von den Hunden aufgehalten zu werden. Und frühmorgens, pünktlich halb 6, wurden die Schweine geschlachtet. Der Schweinestall war gleich neben dem Guesthouse….habt ihr je ein Schwein schreien hören, wenn es merkt was ihm bevorsteht?! Die Nacht war beendet…

Die letzten Tage meines Urlaubs habe ich in Sihanoukville verbracht und konnte nun nach 2-3 Tagen Entspannung auf der Insel die lebendige Backpacker-Szene viel besser genießen. Mein Hostel war super, ein riesiger knuffiger Hund und ein Led Zeppelin fanatischer britischer Barkeeper, eine Tai Chi Lehrerin mit der ich mir abends immer warme Brownies mit Vanilleeis geteilt habe und deren Kurs ich besucht habe, ich habe im Nationalpark Delfine und Seeadler gesehen, sowie viele viele nette Menschen getroffen, mit denen ich entspannte Tage und lustige Nächte in den Bars verbracht habe…

Und hier kommt die Planänderung in meiner Mission Kambodscha: Auf der Insel gab es eine kleine tolle Bar, in der sich abends alle getroffen haben. Gutes Essen, gute Cocktails, gemütliche Korbstühle am Strand…und nettes Personal, zum Großteil western, mit dem ich mich gut verstanden habe. Eine kambodschanische Kellnerin erzählte mir, dass sie in ihrer Mittagspause die Kinder in Englisch unterrichtet. Denn es gibt zwar eine Schule, aber nur einen Lehrer, der kein Wort Englisch spricht (ich hab es versucht) und die einzelnen Klassen haben nur sehr unregelmäßig Unterricht. Als sie hörte dass ich Englischlehrer bin, bat sie mich doch gleich dazubleiben und ihr zu helfen…Am nächsten Tag hatte ich ein langes Gespräch mit dem Chef des Ganzen, der mir seine Email-Adresse gab und meinte er suche immer nach westlichen Mitarbeitern, die ein paar Stunden pro Tag als Kellner aushelfen und dafür freie Verpflegung und Unterkunft bekommen…ich glaube man kann sich meine Planänderung schon denken. Nach einigem Überlegen kam ich zu dem Schluss, dass ich es bereuen würde, wenn ich diese Chance nicht ergreife. Anfang Februar fahre ich deshalb wieder auf die Insel. Wenn alles gut geht, für einen Monat…J Danach geht es nahtlos ins Backpackerleben über und ich reise bis nach Laos, wo ich Gunther und Michael treffe und 2-3 Wochen lang Laos, Kambodscha und Thailand erkunde. Und danach hat hoffentlich der Frühling in Deutschland begonnen, mit Sonnenschein und warmen Temperaturen, so dass ich nicht einen kompletten Kälteschock erleide, wenn ich mich nach 6 Monaten Sommer wieder der Realität widme. Junge, wie schnell die Zeit vergeht…J
Mir bleiben also noch 2-3 Wochen Phnom Penh, die ich versuche so gut wie möglich zu genießen. Es wird mir schwer fallen, meine Kinder hier zu verlassen, aber abgesehen davon freue ich mich auf eine Veränderung. Phnom Penh ist eine tolle Stadt und ist definitiv zu einem weiteren Zuhause geworden, doch nach Strand, Dschungel und so viel sorgenfreier Entspannung, ist ein früherer Abschied von Chaos, Lärm und den Problemen der Großstadt nicht die schlechteste Idee…


Es gilt also Phnom Penh-To do Liste abarbeiten. Letzte Woche ging es mit einem Ausflug zu den Tempeln von Udong und einer 2,50 Dollar Massage los, morgen mit Quadbiking am Mekong entlang weiter. Ich halte euch auf dem Laufenden! :)




2 comments:

  1. Das klingt nach ner ganzen Menge Spaß!

    Aber solch lange Texte, das muss in der Familie liegen... ;o)

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  2. Braucht die Insel nicht noch einen Lehrer? Ich unterrichte ALLES, wenn es sein muß. *g*
    Mein Verständnis für christliche Missionare und ihre Wohltaten für die Menschen, die sich dagegen nicht wehren können, tendiert gegen Null. Nimmst du denen die Bibel weg, ist es vorbei mit der christlichen Nächstenliebe.

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