Eine dänische Mitfreiwillige und ich sitzen im Mad
Monkey und genießen unser Brunch.
„I’m sad to
leave.”
“I know. I am
glad I am here for 4 more months. I really couldn’t leave right now, it would
break my heart.”
“But seriously…can
you leave after 6 months?”
Diese Frage von ihr verfolgt mich seitdem und wirft einen panisch-depressiven Schatten
über alles was ich hier so lieb gewonnen habe. Was etwas lächerlich ist, wenn
man noch etwas mehr als die Hälfte vor sich hat, aber mir schon mal prophezeit
was nächsten März auf mich zukommt. Ich hab mich nach über Monaten hier sehr gut eingelebt, habe
interessante und liebe Menschen um mich
herum, liebe meine Arbeit und das Leben in Phnom Penh…kurz und knapp, ich bin
sehr glücklich hier im Moment. Es ist meist ein sehr lockeres, spontanes Leben
in der sogenannten „City of dreams“ (zumindest wenn man den ganzen Schildern in
der Stadt Glauben schenkt), was wahrscheinlich vor allem an der Kurzweiligkeit
der Bekanntschaften liegt. Mal abgesehen von den kambodschanischen Kontakten
über Projects Abroad und meiner Schule, lernt man hier hauptsächliche andere
Freiwillige und Backpacker kennen, die sich meist viel zu schnell wieder
verabschieden. Man gewöhnt sich schnell daran, zum Beispiel habe ich während
des Filmfestivals hier einen Franzosen kennengelernt, der 7 Jahre in Phnom Penh
lebte und jetzt nach Bangkok gezogen ist. Wir haben uns über eine Stunde sehr
offen über interessante und auch (für die Kürze der Bekanntschaft) sehr private
Dinge wie Schicksalschläge unterhalten uns danach verabschiedet und ich
bezweifle, dass wir uns nochmal über den Weg laufen. Aber so scheint es hier
gang und gebe zu sein, was den Vorteil hat das man viele interessante Menschen
kennenlernt…ab und zu trifft man sie am nächsten Abend oder Wochenende per
Zufall wieder, aber meistens sieht man sich nicht wieder. Für eine Weile,
vielleicht die nächsten Jahre, ist dieser Lebensstil ganz in Ordnung – aber auf
Dauer wäre es nichts für mich. Ich bin ganz froh durch Couchsurfing einige
Freunde gefunden zu haben, die zumindest genauso lange wie ich hier sein werden,
auch wenn es genau solche „social butterflies“ sind…;)
Aber nun…fröhliche Adventszeit an alle!
Nicht dass ich hier viel davon mitbekomme, die Hitze
und unbeeindruckten Gesichter der Khmers
sorgen schon dafür dass kaum Weihnachtsstimmung aufkommt. Lediglich der
Supermarkt ist amerikanisch-kitschig geschmückt und die Shopping Malls scheinen
auch den Braten zu riechen…aber das ist auch der Ort, an dem nur Reiche und „Westerners“
einkaufen gehen. Wir versuchen trotzdem das Beste draus zu machen. Zum Glück
spielen meine christlich erzogenen Kinder in der Schule mit und sind
begeistert, wenn ich ihnen Jingle Bells beibringe und sie Weihnachtsbilder
malen lasse. Ich muss sagen dass meine Vorbehalte gegen eine christliche Schule
inmitten des buddhistischen Kambodschas fast gänzlich verschwunden sind. Mein
Glauben ist es nicht, aber den Kindern scheint es wirklich Hoffnung und Kraft
zu geben – insofern bin ich glücklich. Zudem ist es so herrlich, wenn Kinder
plötzlich anfangen christliche Lieder zu singen, die ich noch aus meiner
Konfirmationszeit kenne. J Ich bin also von den wahrscheinlich
einzigen kambodschanischen Menschen umgeben, die sich etwas aus Weihnachten
machen. Da es allerdings kein Feiertag ist, dürfen sie sich aussuchen wann sie
feiern. Anfang Dezember wurde deshalb lange rumgedruckst und nun wurde ich zu
zwei Weihnachtsfeiern der Kirchgemeinde eingeladen, am 22.12. und am 29.12. Sie
konnten sich nicht entscheiden und haben sich deshalb für gleich zweimal
entschieden. Zudem kann der Bigboss von Asia’s Hope am 24. und 25. nicht, da
kann schon mal Weihnachten für verschoben werden. Mich soll es nicht stören,
meine Mitfreiwillige Kollegin und ich haben uns entschieden mit den Kindern am
eigentlichen Tag unsere eigene kleine Feier zu machen. Da sie allerdings aus
Australien kommt und erst am 25. feiert, übernehmen wir schlicht und einfach
dass kambodschanische System…welches Waisenkind kann schon von sich behaupten
gleich 4 mal Weihnachten feiern zu können? ;)
Silvester habe ich noch keinen Plan, aber ich träume
davon mit einem Cocktail am Strand anstoßen zu können…muss ich nur noch
jemanden finden, der mit nach Sihanoukville kommt.
Aber nicht alles läuft hier reibunglos nach dem
Friede-Freude-Eierkuchen Prinzip, ich hab hier trotzdem meine täglichen Kleinkämpfe
zu bestehen. Die größte Herausforderung sind (um ganz ehrlich zu sein) die
kambodschanischen Lehrer und die so festgefahrenen Erziehungs- und
Unterrichtsmethoden. Es ist für sie schwer zu verstehen, dass ich eine leichte
Unruhe in der Klasse toleriere…während ich es nicht verstehe, weshalb Respekt
auf Angst aufgebaut werden muss. Es war am Anfang sehr erstaunlich wie krass
diszipliniert die Schüler waren, wenn ein Khmer-Lehrer anwesend ist…nachdem
einer seine Tafellineal-Methode allerdings in meiner Klasse (an MEINEN
Schülern!) demonstriert hat, weiß ich wieso...Geduldsherausforderung hoch zehn,
es ist sehr schwer sachlich zu höflich zu bleiben und seine Autorität vor den
Schülern nicht zu untergraben, wenn man ihn versucht davon abzubringen. Das war
der Tiefpunkt meiner sehr angespannten und genervten Einstellung zu ihm…ich
weiß sie haben andere Unterrichtsmethoden, aber es ist mir ein Rätsel warum sie
nicht begreifen, dass die Schüler kein Wort Englisch lernen, wenn sie auf meine
Fragen den Schülern die Antwort vorsagen – was darin resultiert dass die
Schüler gar nicht versuchen mich zu verstehen oder eine Antwort zu finden,
sondern nur auf die Antwort des Khmer-Lehrers warten. Es war und ist eine
Herausforderung den Lehrer langsam an meine Taktik zu gewöhnen…gestern der
erste Erfolg, jener Lehrer hat mich zum ersten Mal gefragt, ob er übersetzen
soll und mein Nein als Antwort
akzeptiert (sonst hat er jeden noch so jeden kleinen Satz übersetzt…aber
natürlich nicht die wichtigen grammatischen Regeln, da er die nicht versteht).
Ich bin fast ein bisschen Stolz auf ihn… ;)
Nun gut, es ist spät. Ich werde mich spätestens nach
Weihnachten wieder melden, um von meinen vier Weihnachtsfeiern und einer
hoffentlich stattfindenden Reise an den Tropenstrand zu berichten. Lien-San-Hai!
Damals waren für mich Züge, Kneipen, Konzerte und Wiesen voll mit zwar tiefen aber doch flüchtigen Bekanntschaften gut besetzt. Es verkürzte die Bahnfahrten und verlängerte die Nächte. Es waren sehr tiefsinnige Gespräche, bei denen es mühelos gelang sich vor dem anderen zu öffnen. Man war dazu eher bereit, weil sich die Wege nur kreuzten. Was ich anfangs bedauerte aber später als gegeben nahm. Von jedem konnte ich für mich etwas mitnehmen, etwas was mich anders, klarer oder komplizierter denken ließ. Es waren, bei Lichte betrachtet, nur Momentaufnahmen von mir und meinem Gegenüber. Nichts, was vielleicht dauerhaft Bestand gehabt hätte aber mir trotzdem wichtig war. Später verlor sich das. Vielleicht weil man älter und nicht mehr so aufgeschlossen geworden ist, oder auch, weil sich das Miteinander geändert hat. Heute vermisse ich diese Kurzweil schon aber andererseits hat sie mich auch gelehrt, mit welchen Menschen man getrost seinen Weg eine Zeit teilen kann.
ReplyDeleteFalls du mich mal entsorgen mußt: Organisiere einfach 4 Weihnachtsfeiern hintereinander und lade mich dazu ein. *g*
jungejunge... jetzt wird der alte knabe nachdenklich, haha
ReplyDeleteDas nennt sich kognitive Reflektion, oder so. ;-)
ReplyDeleteaha. ;o)
DeleteWann ist »nach Weihnachten«? Es schleift! ;-)
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